Politik : Frau von Liu Xiaobo soll Nobelpreis entgegennehmen

Peking - Der inhaftierte chinesische Bürgerrechtler Liu Xiaobo will, dass seine Frau den Friedensnobelpreis an seiner Stelle in Oslo entgegennimmt. Die unter Hausarrest stehende 50-jährige Liu befürchtet aber, dass die chinesischen Behörden sie nicht reisen lassen. Mit scharfen Worten kritisierte der Sprecher des Außenministeriums, Ma Zhaoxu, erneut die Vergabe des Nobelpreises an den führenden Denker der Demokratiebewegung, die von „einigen Ländern“ zum Angriff auf China genutzt werde. Deutliche Worte musste sich auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bei Gesprächen in Peking anhören, als er sich für Liu Xiaobo und seine Frau einsetzte.

Nachdem Liu Xia am Dienstag ein neues Mobiltelefon bekommen hatte, gab sie mehrere Interviews, doch unterbrach die Staatssicherheit nach wenigen Stunden die Verbindung. Besuchern wird der Zugang zu dem Wohngebiet verweigert. „Wenn sie das Haus verlassen will, muss sie einen Polizeiwagen nehmen“, sagte ihr Anwalt Shang Baojun.

An Liu Xiaobos Stelle soll seine Frau aber zur Preisverleihung nach Oslo reisen. „Er hofft, dass Liu Xia den Preis an seiner Stelle entgegennehmen kann“, sagte sein Anwalt Shang Baojun. „Aber es ist nicht klar, ob es möglich sein wird.“ Der Sprecher des Außenministeriums wollte sich dazu nicht äußern. „Die Vergabe des Friedenspreises durch das norwegische Nobelkomitee an einen verurteilten Verbrecher im Gefängnis zeigt Respektlosigkeit gegenüber dem Rechtssystem in China“, sagte Ma Zhaoxu. Politiker einiger Länder nutzten die Gelegenheit, „um China anzugreifen“.

   Wirtschaftsminister Brüderle sagte in Peking, er habe zum Ausdruck gebracht, dass die Bundesregierung und der Bundespräsident die Entscheidung des Nobelkomitees begrüßt hätten. Zur Reaktion seiner Gesprächspartner wollte er sich nicht genauer äußern, machte aber deutlich, dass sie kritisch ausgefallen war. „Sie waren nicht der gleichen Überzeugung wie wir.“    Die Bundesregierung und Bundespräsident Christian Wulff hatten sich dafür eingesetzt, dass Liu Xiaobo freigelassen wird und den Preis persönlich in Empfang nehmen darf. Der Bürgerrechtler hat den Preis den Opfern der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 gewidmet. dpa

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