Frauen auf Scheinen : Das Geschlecht des Geldes

Die Bank of England hat nach Monaten nachgegeben: Neben der Königin kommen zwei weitere Frauenköpfe auf die Pfundnoten. In den USA ist Geld reine Männersache. Noch.

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Porträt Jane Austens auf einem Muster der neuen Zehn-Pfund-Note
Neuzugang: Die Dichterin Jane Austen auf dem Mustergeldschein, den die Bank of England in dieser Woche präsentierte.Foto: Bank of England

Das haben sie nun von ihrem ewigen Opt-out, die Briten. Wären sie drin in Euroland, hätten sie diesen Krach ebenso elegant – feige? – vermeiden können wie wir Krauts. Seit es hierzulande Euronoten und -münzen gibt, kennt der Deutsche keine Geschlechter mehr, sondern nur noch tote Materie: auf den Münzen die Eiche und den Adler, auf den Scheinen große Architektur statt großer Männer und Frauen. Die Brits dagegen hatten sich vor ein paar Monaten mit dem Pfund etwas richtig Peinliches geleistet. Sie wollten den einzigen Frauenkopf – neben dem der Königin – aus den Portemonnaies verschwinden lassen, die Sozialreformerin Elizabeth Fry. Den Jungs von der Bank of England war’s richtig ein bisschen unangenehm, das war ihnen gar nicht aufgefallen. Im zwölfköpfigen „Court of Directors“ der Nationalbank sitzt ja auch nur eine Frau. Das ist, wie Expertinnen wissen, weit entfernt von jener kritischen Masse, die das Diskussionsklima in einem Herrenklub dreht. Doch auf der Insel, dem Land energischer Königinnen (Boudica, Victoria, Elizabeth I. und II.) und der entschlossensten Vorkämpferinnen für das Wahlrecht, brach ein Sturm los. Jetzt darf Betsy Fry bleiben. Und eine noch berühmtere Landsfrau, Jane Austen, ersetzt Charles Darwin auf dem Zehn-Pfund-Schein. Churchill, der andere Neue, bekommt den Fünfer.
Wenn unsereins von diesseits des Kanals dennoch ein bisschen meckern darf: Der „Engel der Gefängnisse“ und die Autorin von „Verstand und Gefühl“ – das ist mal wieder eine Hymne an die Sendung der Frau. Man hätte auch Ada Lovelace ehren können, eine sehr frühe Pionierin des Computerzeitalters. Oder Rosalind Franklin, eine Mutter der modernen Genetik. Gerade erinnerte das Google-Logo dankenswerterweise einen Tag lang an sie. Nicht bekannt? Kein Wunder. In die Ruhmeshalle der Wissenschaft sind nämlich James Watson und Francis Crick eingegangen. Die Herren kamen auf ihre später nobelpreisgekrönten Gedanken, nachdem sie mal kurz in den Unterlagen der abwesenden Miss Franklin geschmökert hatten. Guttenplag gab’s damals noch nicht, und so gelten heute die beiden Männer als Erstentdecker der Doppelhelix-Struktur der DNA.
Aber das sind Kleinigkeiten, wenn man über den Atlantik schaut. US-Bürgerinnen haben sich nach dem Protest der britischen Schwestern jetzt die heimischen Greenbacks vorgenommen. Von den Dollars blicken ausnahmslos die Herren der Schöpfung in die Warenwelt. Dabei gäbe es Amerikanerinnen genug. Die Kolumnistinnen Bryce Covert und Annie-Rose Strasser haben schon einmal erste Vorschläge gemacht, darunter die erste Kongressabgeordnete überhaupt (Jeanette Rankin 1916) und die erste schwarze Frau im Parlament (Shirley Chisholm 1969).
Aber wahrscheinlich braucht es nicht kluge Argumente, sondern die richtige Portion Wut. Auch da könnte eine berühmte Britin Vorbild sein, die zwar mit Geschlechterfragen – wohl wissend, dass das Frauen immer schadet – nichts am Hut hatte, dafür aber über eine Handtasche verfügte, die sie in Fällen von Bedeutung zum Aufschlag auf europäischen Verhandlungstischen brachte. Kurzum Girls, fordert wie einst Thatcher: „I want my money back!“

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