Politik : Frauen, Handys, Männer

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Ein paar Dinosaurier gibt es noch unter uns, die das Handy zum Telefonieren benutzen, einfach so. SMS, das ist ihnen zu kompliziert, weil sie die Buchstaben auf den Tasten ohne Brille nicht erkennen, Termine schreiben sie in einen Kalender aus Papier, Blueberries essen sie nur mit Zucker, und wenn ihnen jemand einen „Web’n’ walk-Browser“ andienen will, tun sie das Notwendige: Sie jagen ihn geteert und gefedert aus der Stadt.

Dennoch bietet jedes Handy Funktionen, die wir nicht laut genug loben können – nur kennt sie eben niemand. Jedenfalls wir Männer nicht. Eine neue britische Studie musste her, um uns vor Augen zu führen, was einer Mehrheit von Frauen selbstverständlich ist: Sie halten sich mit dem Handy aufdringliche Kerls vom Leib.Früher verschanzten sie sich beispielsweise im Zugabteil hinter Zeitungen und Zeitschriften, heute tun sie so, als würden sie telefonieren.

Die richtige Technik verraten die Autoren der Studie nicht. Aber sie liegt nahe. Man drückt ein paar Tasten, sagt „Hallo“ und spricht dann im gemessenen Abstand ein paar passende Worte. „Ach, Schatzi“, geht immer, „Schick die Kinder unbedingt in die Schule“ ist hochwirksam, und wenn der Mann gegenüber vom Baggern absolut nicht lassen will, schreckt man ihn mit „Ich freu mich so auf die Hochzeit, Liebling!“ endgültig ab. Hilft auch das nicht, kann das Handy notfalls als Wurfgeschoss benutzt werden. Gibt es schon ein Modell mit eingebautem Pfefferspray?

Wie wir sehen, ist das eine einfache Technik, die jede Frau beherrschen kann. Im Flugzeug funktioniert sie allerdings nicht, und sie kann peinlich wirken, wenn sie in einem allgemein bekannten Funkloch eingesetzt wird – das ist dann wie der Versuch, sich hinter einer Kopf stehenden Zeitung zu verstecken.

Dennoch müssen wir wohl annehmen, dass etwa 50 Prozent aller öffentlichen Telefonate nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Misstrauen ist selbst in höchsten politischen Sphären angebracht – die prominenteste deutsche Handy-Benutzerin ist die Bundeskanzlerin, und manch Aufstrebender würde für ihre Nummer den rechten Arm hergeben. Doch wozu? Am Ende benutzt auch sie das Ding nur, um sich aufdringliche Lobbyisten vom Hals zu halten.

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