Frauen im "Islamischen Staat" : "Ein totalitäres, menschenverachtendes Weltbild"

Die islamische Theologin Hamideh Mohaghegi über die Propaganda des IS, frauenfeindliche Ideologie und die Suche nach Halt.

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Der Screenshot eines Propagandavideos angeblich die Al-Chansaa-Brigade an. Diese soll das "Manifest" über Frauen im Dschihad verfasst haben.
Der Screenshot eines Propagandavideos angeblich die Al-Chansaa-Brigade an. Diese soll das "Manifest" über Frauen im Dschihad...Foto: dpa

Frau Mohagheghi, Sie analysieren in Ihrem gerade erschienen Buch "Frauen im Dschihad" ein Manifest von IS-Kämpferinnen. Welches Ziel verfolgt diese Progaganda-Schrift?

Ich habe den Eindruck, dass sich vor allem junge Menschen von der Ideologie angezogen fühlen. Das "Manifest" ist gewissermaßen eine Einladung, sich dem "Islamischen Staat" anzuschließen.

Welche Rolle kommt den Frauen im Weltbild der Islamisten zu?

Die Frau wird als Wesen dargestellt, das zu funktionieren und zu gehorchen hat. Sie muss sich einzig und allein auf ihre Mutter-Aufgabe konzentrieren. Die Verfasser des Dokuments sehen in dieser Rolle aber nichts Abwertendes.

Hamideh Mohagheghi, in Teheran geboren, ist islamische Theologin an der Universität Paderborn und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz.
Hamideh Mohagheghi, in Teheran geboren, ist islamische Theologin an der Universität Paderborn und Mitglied der Deutschen...Foto: Imago

Sondern?

Die zugewiesene Rolle sei etwas Gottgewolltes. Wenn die Menschen bereit sind, diesen Vorgaben zu folgen, macht sie das glücklich. Ein einfaches, aber erfülltes Leben – das soll suggeriert werden.

Dennoch klingt das nach einer frauenfeindlichen, totalitären Ideologie.

Das ist sie auf jeden Fall! Es sollen gerade jene Frauen angesprochen werden, die sich von ihren Aufgaben überfordert fühlen und nach einem einfachen Leben sehnen. Überhaupt ist die gesamte Ideologie des IS totalitär und menschenfeindlich.

Warum verfängt ein derart krudes, gefährliches Weltbild?

Wir müssen uns fragen: Was vermissen die Menschen, die hier leben und alle Freiheiten genießen können? Warum fühlen sie sich angesprochen? Leben in Freiheit ist für viele oft kompliziert. Es bedeutet, Herausforderungen zu meistern, nach Halt und Orientierung zu suchen. Das kommt das vermeintlich Einfache gerade zupass.

Was kann der Westen entgegensetzen?


Zum einen präventive Aufklärungsarbeit. Zum anderen sollte man den hier lebenden Muslimen zeigen, dass sie nicht Teil des Problems sind, sondern vielmehr helfen können, es zu lösen.

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