Politik : Frauen mit Kopftuch denken modern und fühlen sich fremd

-

Berlin - Es klingt paradox, was eine Studie über Frauen mit Kopftuch in Deutschland herausfand: Einerseits ist es ihnen genauso wichtig wie anderen Frauen, sich als freier Mensch zu fühlen und eine gute Partnerschaft zu haben. Andererseits fühlen sie sich kaum verbunden mit Deutschland. Die Hälfte sieht sich in der Gesellschaft benachteiligt. Gut integriert sind sie somit nicht – obwohl 18- bis 40-Jährige, die meist seit mehr als sieben Jahren hier leben, befragt wurden.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Im Winter 2005 wurden dafür 315 Kopftuchträgerinnen befragt, „eine Momentaufnahme“, betonte Christoph Kannengießer, stellvertretender Generalsekretär der Konrad- Adenauer-Stiftung. Doch bis auf eine Doktorarbeit sei dies die erste wissenschaftliche Untersuchung zum Thema. Fast alle Frauen bezeichneten es als eigene Entscheidung und religiöse Pflicht, das Tuch zu tragen. Wenn sie dabei beeinflusst worden seien, dann von der Mutter, nicht vom Vater oder Bruder. Die Frauen wurden für die Umfrage von Interviewerinnen in Moscheen angesprochen.

Ein Drittel der Frauen verneinte die Aussage „alle Menschen sind vor Gott gleich“. Je stärker die Frauen sich als religiös empfanden, desto eher lehnten sie Gleichheit ab. „Wir wollen in Kürze mit Imamen diskutieren, ob diese Interpretationen sich aus dem Islam ergeben“, sagte Kannengießer. Um die Integration zu verbessern, startet die Stiftung ein auf Türkischstämmige zugeschnittenes Seminarprogramm, das die Verbundenheit mit Deutschland unterstützen soll. jea

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben