Politik : Frauenhandel: Initiative zum Schutz der Opfer

Die Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen wollen den überwiegend aus Osteuropa organisierten Frauenhandel wirksamer bekämpfen. Sie einigten sich auf eine entsprechende Parlamentsinitiative, die nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden soll. Dies teilte am Montag die Frauen-Expertin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, in Berlin mit.

Um alle Delikte überhaupt erfassen zu können, soll nach ihren Angaben die Definition von Menschenhandel auch auf Zwangsheirat und Zwangsarbeit ausgedehnt werden. Wenn die Opfer den Mut aufbringen, als Zeuginnen auszusagen, sollen sie bis zum Abschluss des Verfahrens ein Bleiberecht erhalten. In dieser Zeit soll ihnen die Chance gegeben werden, sich aus- oder weiterzubilden. Bei einer Gefährdung im Herkunftsland soll den Frauen hier ein dauerhafter Schutz gewährt werden.

Auch sollen die Gewinne von Menschenhändlern künftig für die Unterstützung der Opfer von Menschenhandel herangezogen werden. Bisher seien die Frauen nicht als Opfer von Frauenhandel angesehen, sondern als Täterinnen abgeschoben worden. "Die Rechtlosigkeit der Opfer ist der beste Täterschutz", sagte die Abgeordnete.

Sie erinnerte daran, dass die rot-grüne Koalition bereits wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung von Frauenhandel auf den Weg gebracht habe. Mit den Verwaltungsvorschriften zum Ausländergesetz vom Oktober 2000 werde Opfern von Menschenhandel ein Abschiebeschutz von mindestens vier Wochen eingeräumt. Und nach einem Erlass des Bundesarbeitsministers vom Mai diesen Jahres sollen Frauen, die vor Gericht aussagen, eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Schewe-Gerigk betonte, beim Handel mit Frauen, der "modernen Form des Sklavenhandels", spiele Deutschland als Hauptabnehmerland eine große Rolle. Jährlich würden zwischen 120 000 und 500 000 Frauen, die zu 90 Prozent aus Osteuropa kämen, nach Westeuropa verschleppt, verkauft und zur Prostitution gezwungen. Gewinne von 15 bis 30 Milliarden Mark würden dabei allein in Europa jährlich erzielt.

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