Frauenquote : Drohung aus Brüssel

Europas Unternehmen sind immer noch in Männerhand. Doch es gibt konkrete Ideen zur Gleichstellung. Bis 2015 sollen mindestens 30 Prozent aller Positionen in den Führungsetagen von Frauen besetzt sein.

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Brüssel - Eine kleine Spitze hat sich die EU-Grundrechtekommissarin Viviane Reding am Montag nicht verkneifen können. „Ich freue mich, dass seit heute auch mein Kollege, EU-Binnenmarktskommissar Michel Barnier, meine Initiative unterstützt“, sagte die Luxemburgerin bezogen auf ein Zeitungsinterview Barniers, in dem er sich als Vorkämpfer der Gleichstellungspolitik präsentierte. „Um die Frauenquote durchzusetzen“, sagte Reding, „müssen auch die Männer dabei sein.“

Bereits im September hat Reding in ihrer Gleichstellungsstrategie Regeln für die Zusammensetzung von Aufsichtsräten und Vorständen befürwortet, sollten die Unternehmen nicht von sich aus aktiv werden. Eine letzte Chance dafür räumt die Luxemburger Kommissarin den Konzernbossen am 1. März ein – sie hat die Vorstandsvorsitzenden der 15 größten europäischen Unternehmen nach Brüssel eingeladen. „Falls bis Ende 2011 keine glaubwürdige Selbstregulierung gelingt, müssen wir in einem zweiten Schritt ein EU-Rechtsinstrument zur Einführung von Frauenquoten in Aufsichtsräten auf den Weg bringen“, kündigt Reding an. Konkrete Ideen gibt es bereits: Bis 2015 sollen mindestens 30 Prozent aller Positionen in den Führungsetagen von Frauen besetzt sein, fünf Jahre später müssten es 40 Prozent sein.

Die Ist-Zahlen auf europäischer Ebene signalisieren jedenfalls Handlungsbedarf. „Obwohl sie fast die Hälfte aller Erwerbstätigen und 60 Prozent der neuen Universitätsabsolventen stellen, bleiben Frauen in ökonomischen Entscheidungsfunktionen unterrepräsentiert“, heißt es in einem Kommissionspapier, das dem Tagesspiegel vorliegt. Die Zahlen der Brüsseler Behörde legen nahe, dass Mitarbeiterinnen im Jahr 2009 nur knapp ein Drittel der Führungspositionen (32,8 Prozent) innehatten. Vor allem aber ist ihr Anteil im zurückliegenden Jahrzehnt kaum gestiegen – im Jahr 2000 lag er bei 30,7 Prozent. Noch krasser unterrepräsentiert bleiben Frauen an der Unternehmensspitze, worauf sowohl Redings Ideen als auch die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zielen.

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