Frauenquote : Machtwort der Chefin

31.01.2011 23:28 UhrVon Robert Birnbaum
Ein Bundeskabinett, viele Meinungen zum Thema Frauenquote: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU). Foto: Hans-Christian Plambeck/laif
Ein Bundeskabinett, viele Meinungen zum Thema Frauenquote: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela... - Foto: Hans-Christian Plambeck/laif

Der Anteil weiblicher Führungskräfte soll erhöht werden – die Kanzlerin will darüber aber keinen Streit. Zickenzoff im Kabinett ist so ungefähr das Letzte, was Angela Merkel im Super-Wahljahr brauchen kann.

Berlin - Als sich Ursula von der Leyen und Kristina Schröder am Wochenende darüber in die Haare gerieten, wie der Frauenanteil in Führungsposten der Wirtschaft angehoben werden soll, war der Ordnungsruf der Kanzlerin also nur noch eine Frage der Zeit.

Am Montag ist es so weit: Merkel lässt die Arbeits- und die Familienministerin zur Gemeinsamkeit verdonnern. Beide Ministerinnen, sagt Vizeregierungssprecherin Sabine Heimbach, würden in Kürze mit den Arbeitsdirektoren und -vorständen der im Dax-Börsenbarometer vertretenen wichtigsten deutschen Unternehmen darüber sprechen, warum dort Frauen an der Spitze immer noch eine verschwindende Minderheit darstellen.

Und danach werde es dann einen „abgestimmten“ Vorschlag geben.

Dass auch aus Merkels Sicht etwas geschehen muss, daran lässt die Sprecherin aber keinen Zweifel: „Es gibt Handlungsbedarf“, sagt sie. Das Problem ist nur, wie weit der gehen soll. Leyen hatte im NDR ihre Forderung bekräftigt, per Gesetz eine 30-Prozent-Quote in Führungsgremien der großen börsennotierten Unternehmen festzuschreiben. Nicht von heute auf morgen, aber in einem Stufenplan soll diese Pflicht von 2018 an greifen, und den will die Arbeitsministerin in diesem Jahr verabschiedet sehen. Schröder hat prompt via Morgenmagazin dagegengehalten: Sie will den großen Unternehmen lediglich vorschreiben, dass sie sich selbst eine Quote setzen müssen, die sie binnen zwei Jahren erreichen wollen.

Die Familienministerin liegt damit zwar über Kreuz mit der CDU-Kollegin, dafür aber nahe an der CSU. Deren Chef Horst Seehofer hat in der eigenen Partei gerade erst ein Frauenquorum für die Führungsspitzen durchgesetzt. Im Fall der Wirtschaft will er freilich erst einmal nur „über mögliche Selbstverpflichtungen reden“.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner macht gegen Quoten gleich prinzipiell mobil: Das sei ein „Eingriff in die Vertragsfreiheit“. Lindner findet sogar, es gebe gar „keinen dringenden Handlungsbedarf“. Aber das sieht nicht nur Merkel anders, sondern auch der Koalitionsvertrag. „Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden“, vermerkt das geduldige Papier. Das dort verabredete Vorgehen entspricht auf den ersten Blick ziemlich genau Schröders Plan. Von einem Stufenplan ist dort die Rede, und: „Der Stufenplan setzt in einer ersten Stufe auf verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen.“

Leyen hat genau besehen gar nichts dagegen. Sie glaubt nur nicht mehr an Selbstverpflichtungen und denkt deshalb gleich eine Planstufe weiter. Und die Ex-Frauenministerin will dafür weiter streiten. Seine Chefin, sagt ihr Sprecher, halte es „ausdrücklich für richtig, dass das Thema von unterschiedlichen Seiten befeuert wird“.

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