Politik : Frei nach 133 Tagen

Albtraum der beiden deutschen Reporter im Iran beendet / Bußgeld statt Haftstrafe

Glücklicher Ausgang. Jens Koch (links) und Marcus Hellwig (zweiter von rechts) kamen am Samstag aus Täbris auf dem Teheraner Flughafen an.
Glücklicher Ausgang. Jens Koch (links) und Marcus Hellwig (zweiter von rechts) kamen am Samstag aus Täbris auf dem Teheraner...Foto: dpa

Teheran/Berlin - Im Iran lassen sich nur wenige ausländische Journalisten auf Abenteuer ein, denn sie sind sich der Konsequenzen bewusst. Arbeitsverbot wäre das mindeste. Dann käme Ausweisung und im schlimmsten Fall eine Gefängnisstrafe. Für die beiden Reporter der „Bild am Sonntag“ war dieser schlimmste Fall eingetreten: Haft in einem Gefängnis in der Provinzhauptstadt Täbris im Nordwesten des Iran. Ein Albtraum, der 133 Tage dauerte. Jetzt sind sie endlich wieder frei.

Der Reporter Marcus Hellwig (45) und der Fotograf Jens Koch (29) waren am 10. Oktober 2010 in Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen, die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden war. Den Deutschen wurde nicht nur ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen – im Iran dürfen ausländische Journalisten mit einem Touristenvisum nicht arbeiten –, sondern sie waren hinter einer Story her, die für die ausländischen Medien als Tabuthema gilt.

„Das hätte auch ganz schlimm ins Auge gehen können“, sagte ein Anwalt in Teheran. Denn den beiden wurde von der Justiz auch vorgeworfen, Verbindung zu iranischen Dissidenten in Deutschland zu haben, „um das internationale Image des Iran zu schädigen“. Einem der beiden Reporter wurde sogar unterstellt, geheime Dokumente ergattern zu wollen. Dieser Verstoß wäre als Spionage gewertet worden, was eine Gefängnisstrafe bis zu 20 Monaten zur Folge gehabt hätte. Aber da das Vorhaben nicht umgesetzt wurde, hat der Iran nach Angaben der Justiz „islamische Güte“ gezeigt und die beiden gegen ein Bußgeld von je 35 700 Euro freigesprochen.

Laut informierten Quellen hatte der neue iranische Außenminister Ali-Akbar Salehi bei der „islamischen Güte“ seine Finger im Spiel. Salehi hatte im Dezember nicht nur den beiden Deutschen ein verspätetes Weihnachtstreffen mit ihren Angehörigen – Essen in einem noblen Hotel in Täbris – ermöglicht, sondern auch stets versucht, ihre baldige Freilassung zu erwirken. Der iranische Chefdiplomat soll in dieser Zeit auch mehrmals mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle (FDP) in Kontakt gewesen sein.

Der Justiz soll Salehi mehrmals gesagt haben, dass die beiden Deutschen ihren Fehler eingesehen und dafür ausreichend bestraft worden seien. Nun seien nicht nur die islamische Milde an der Reihe, sondern auch außenpolitische Berücksichtigungen, meinte Salehi. „Der Iran ist alleine wegen seiner kompromisslosen Haltung im Atomstreit und seiner anti-israelischen Politik im Nahen Osten bereits international isoliert, daher kann Salehi auf ein weiteres Problem, und das noch mit Berlin, gerne verzichten“, sagte ein ausländischer Diplomat in Teheran. Den beiden deutschen Reportern kann es letztlich gleich sein, ob islamische Güte oder Diplomatie der Grund für ihre Freilassung waren. Hauptsache, sie können endlich nach Deutschland zurück. Und eine interessante Geschichte bringen sie auch noch mit: „Die haben doch eine weitaus bessere Story als die über Mohammadi-Aschtiani“, sagte ein Journalist in Teheran. „Welcher ausländische Reporter hat denn schon eine Story über vier Monate Haft in einem Gefängnis in der Achse des Bösen?“ dpa

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