Politik : Freiburger Priester rebellieren Wiederverheiratete dürfen zum Abendmahl

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Berlin - Seit einem Jahr rufen katholische Priester in Österreich zum „Ungehorsam“ gegen ihre Kirche auf, jetzt regt sich auch in Deutschland offener Widerstand. Vergangene Woche haben zwölf katholische Seelsorger aus dem Erzbistum Freiburg erklärt, dass sie künftig wiederverheiratete Geschiedene nicht mehr vom Abendmahl ausschließen werden, wie es das Kirchenrecht verlangt. Der Gruppe „Kirche 2012“ haben sich mittlerweile 183 katholische Geistliche aus dem Freiburger Erzbistum angeschlossen.

Sie lassen sich auch vom Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch nicht abhalten, der die Geistlichen in einem Brief bat, die Erklärung nicht zu unterschreiben beziehungsweise die Unterschrift zurückzuziehen. Das Erzbistum könne keine Praxis billigen, „die eigenmächtig gegen die Vorgaben der Weltkirche verstößt“, heißt es in dem Schreiben.

„Wir begegnen in der Seelsorge immer wieder Menschen, die jahrelang in einer zweiten Ehe glücklich verheiratet sind und deren Kinder zur Erstkommunion gehen. Und doch dürfen sie selbst nicht zur Kommunion. Das schmerzt sehr“, sagt Pfarrer Herbert Malzacher aus Ehrenkirchen, der den Aufruf unterschrieben hat. Viele Pfarrer würden sich auch jetzt schon heimlich über das Kirchenrecht hinwegsetzen und die Geschiedenen zur Kommunion zulassen. Mit dieser unehrlichen Praxis soll nun Schluss sein. Die Reform des Kirchenrechts dulde keinen Aufschub mehr, sagt Malzacher.

Bereits 1993 hatten die drei damaligen südwestdeutschen Bischöfe Karl Lehmann, Walter Kasper und Oskar Saier eine Reform des Kirchenrechts in diesem Punkt gefordert, Rom hatte abgelehnt. „Seitdem hat sich nichts getan“, sagt Pfarrer Malzacher, „da können wir doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen!“

Papst Benedikt XVI. hatte es vor zehn Tagen beim Weltfamilientreffen als „großes Leiden der Kirche“ bezeichnet, dass wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten ausgeschlossen sind. Die Gemeinden müssten ihnen zeigen, dass auch sie „geliebt und akzeptiert“ seien – „auch wenn sie nicht die Beichte, die Absolution und die Kommunion empfangen können“. Claudia Keller

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