Politik : Freie Fahrt für den Frieden

Israel baut Straßensperren ab – eine Erleichterung für Palästinenser

Esther Kogelboom

Die Straßensperre hat sich am Sonntag in eine große Staubwolke aufgelöst – unmittelbar vor dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in Washington hat die israelische Armee mit Räumfahrzeugen mindestens einen Checkpoint in der Nähe von Ramallah entfernt. Einer davon, die so genannte Surda-Straßensperre im Nordwesten der Stadt, hatte den Menschen bisher durch einen Betonwall den Zugang zu etwa 30 Dörfern und der Bir-Zeit-Universität erheblich erschwert. Jetzt ist der Weg zu den Dörfern und zur Universität wieder ungehindert für Autos passierbar. Die Wartezeit hatte oft Stunden betragen, hieß es.

Channa Nasser, der Präsident der Universität, sagte der dpa: „Es ist gut, dass dieses Problem endlich gelöst ist.“ Sein Weg zur Arbeit verkürze sich nun von 30 auf zehn Minuten. Bis Sonntag mussten Palästinenser, die von Ramallah zur Universität wollten, ihre Autos an der Straßensperre abstellen und den Rest des Wegs zu Fuß gehen. Kinder, die zur Schule, Frauen, die Angehörige besuchen wollten, Alte und Kranke, sie alle mussten den beschwerlichen Weg auf sich nehmen und oft demütigende Kontrollen von Soldaten erdulden.

Peter Röhrig, der seit Ende Juni das wiedereröffnete Büro des Deutschen Entwicklungsdienstes (ded) in Ramallah leitet, sagte dem Tagesspiegel: „Das ist mehr als eine Geste. Der Abbruch der Straßensperre ist ein kleiner Schritt nach vorn. Auf diesem Weg muss es aber weitergehen, dann erst gibt es Anlass zur Hoffnung.“ Der ded ist zurzeit mit vier Mitarbeitern in Ramallah vertreten.

In den kleinen, durch die Checkpoints von den Städten weiterhin abgeschlossenen Dörfern werde das Wasser immer knapper, berichtete Hans-Joachim Becker, der für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in den palästinensischen Gebieten ein Bildungsprojekt betreut. „Dort sieht es schlimm aus“, sagte Becker. „Gut die Hälfte der Landbevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.“ In den Städten und den Dörfern, die natürliche Quellen besitzen, sei die Versorgungslage dagegen gut. Von der Öffnung der Sperren erhofft er sich bessere Transportmöglichkeiten von Konsumgütern für die Menschen in den Dörfern.

Zudem seien im südlichen Teil der palästinensischen Gebiete bis zu 70 Prozent der Menschen arbeitslos. Auch hier könnte eine Öffnung der Straßensperren positiven Einfluss auf den Alltag der Palästinenser haben.

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