Politik : Freie Stromwahl ab 2007

EU öffnet den Energiemarkt auch für Privatkunden

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Berlin (fo). Gas und Stromkunden in der Europäischen Union sollen von Mitte 2007 an ihre Lieferanten frei wählen dürfen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der EU-Ministerrat am Montag in Brüssel. Ab diesem Zeitpunkt sollen sich auch alle Energieversorger von ihren Leitungsnetzen trennen, damit der Wettbewerb um Kunden in Schwung kommt und die Preise sinken können. Dagegen hatte sich bis zur letzten Minute vor allem Deutschland gewehrt, weil hier etwa 800 Stadtwerke und Regionalversorger ihre Zerschlagung befürchten. Ob die Teilung von Leitungsnetzen und Vertrieb wirklich nötig sei, müsse aber noch geprüft werden, hieß es im Anschluss an die Sitzung.

Brüssel und das Bundeskartellamt erhoffen sich von der Aufspaltung der Energieversorger mehr Wettbewerb. Die bisherige Liberalisierung der Energiemärkte etwa in Deutschland hat gezeigt, dass die Benutzung fremder Strom- oder Gasleitungen zur Versorgung eines Privatkunden durch technische und organisatorische Hürden behindert werden kann. Das Bonner Kartellamt führt gegen mehrere Energieunternehmen Missbrauchsverfahren. Den Versorgern wird unter anderem vorgeworfen, ihre Konkurrenten durch überhöhte Durchleitungspreise daran zu hindern, Kunden in fremden Versorgungsgebieten zu werben.

Von der vollständigen Liberalisierung des EU-Marktes ab 2007 werden zunächst Unternehmen als Großabnehmer von Strom und Erdgas profitieren, da nach dem Ende der Monopole die Sonderpreise für solche Kunden sinken. Der Energieversorger RWE dürfte dann beispielsweise ein Industrieunternehmen in Frankreich beliefern. Bislang darf das nur der staatliche Monopolist EdF.

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