Politik : Freiheit nach 547 Tagen

Frankreich erreicht die Rückkehr zweier von den Taliban entführter Reporter

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Endlich zuhause. Hervé Ghesquière und Stéphane Taponier. Foto: Reuters
Endlich zuhause. Hervé Ghesquière und Stéphane Taponier. Foto: ReutersFoto: Reuters

Paris - Frankreichs Präsident war sauer. Von einer „wahrhaft schuldhaften Unvorsichtigkeit“ sprach Nicolas Sarkozy, als er Ende Dezember 2009 von der Geiselnahme der Journalisten Stéphane Taponier und Hervé Ghesquière in Afghanistan erfuhr. Die Jagd nach Exklusivnachrichten dürfe es „nicht um jeden Preis“ geben, hieß es damals im Elysée-Palast. Am Donnerstag ließ Sarkozy es sich nicht nehmen, die beiden aus Afghanistan zurückgekehrten Reporter des Fernsehsenders France 3 bei ihrer Ankunft auf dem Pariser Flughafen Villacoublay in Begleitung seiner Frau Carla Bruni persönlich mit dem Ausdruck „großer Freude“ zu begrüßen.

Genau 547 Tage befanden sich Taponier und Ghesquière in der Hand von Taliban-Kämpfern. Gezeichnet, aber sichtlich erleichtert berichteten sie in einer Pressekonferenz über ihre Geiselhaft. Sie waren bei einer Reportagereise mit drei afghanischen Begleitern 50 Kilometer östlich von Kabul von Aufständischen entführt worden. „Wir sind kein unverantwortliches Risiko eingegangen“, sagten sie. Nach den ersten drei Monaten seien sie getrennt und erst Ende 2010 wieder zusammengebracht worden. Sie seien nicht misshandelt worden. Weder habe man sie geschlagen noch mit dem Tode bedroht, erzählten sie. Über ein Radio hätten sie Sendungen der BBC und des französischen Auslandssenders RFI empfangen können. Am schlimmsten sei die Enttäuschung nach dem Fehlschlag angekündigter Freilassungen gewesen. „Es war jedesmal wie ein langer dunkler Tunnel, aber wir wussten, dass wir nicht in Gefahr schwebten, da wir für die Geiselnehmer zu wertvoll waren“, erklärten sie.

Wie hoch der Preis für ihre Freilassung war, ist ungewiss. „Frankreich zahlt keine Lösegelder“, erklärte Außenminister Alain Juppé. Doch Medien berichten über „mehrere hunderttausend“ („Le Monde“) und „einige Millionen Euro“ (BFM-TV). Zudem hatte Frankreich den Abzug seiner Truppen aus Afghanistan bekannt gegeben und damit eine der ursprünglichen Bedingungen für die Freilassung der Reporter erfüllt. Hans-Hagen Bremer

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