Freispruch : Strauß im Glück

Der Freispruch im Prozess um Steuerhinterziehung lässt Max Strauß wieder nach vorne blicken. Seine Depressionen weichen sprudelndem Tatendrang: "Die Zukunftsplanung beginnt in dieser Sekunde."

Ralf Isermann[AFP]
Max Strauß
Max Strauß kann wieder lachen: Das Augsburger Landgericht sah keinerlei Beweise für die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. -Foto: dpa

AugsburgAls der Freispruch kommt, lässt sich Max Strauß die Freude nicht anmerken. Er ignoriert stattdessen das im Gerichtssaal geltende Handyverbot, klappt sein High-Tech-Gerät auf und verschickt SMS. In den knapp zwei Stunden, in denen Richter Manfred Prexl das Urteil begründet, rattern die Antworten ein. "So eine lange Liste an Gratulationen habe ich bekommen", sagt Strauß später mit weit ausladender Geste. Wenn die Ermittlungen ein Gutes gehabt hätten, dann dass sich bei seinen Freunden die Spreu vom Weizen getrennt habe. Und die Familie sei zusammen gewachsen - sein Bruder Franz Georg und seine Schwester Monika nehmen Strauß noch aus dem Gericht zu einer Feier mit.

Wo die Feier des Freispruchs stattfinden sollte, wollten die Geschwister Strauß spontan entscheiden. "Darüber vorher zu reden,
hätte ein schlechtes Omen gegeben", unkt Monika Hohlmeier. Die CSU-Landtagsabgeordnete ist die einzige, die das politische Erbe ihres Vaters Franz Josef Strauß noch zu pflegen versucht. Max hatte auch mal davon geträumt, sich um ein Bundestagsmandat zu bemühen und die Fußstapfen des Vaters zu füllen, wie seine Verteidiger im Prozess erinnerten. Das war in der weit zurückliegenden Zeit, aus der die jetzt als nichtig zurückgewiesenen Vorwürfe gegen ihn stammen.

Richter schließt sich Kritik an erstem Urteil an

Fast zwölf Jahre haben die Ermittlungen gegen Strauß gedauert, erinnert Richter Prexl in seiner Urteilsbegründung. Sogar über 20 Jahre liegen die Wurzeln dafür zurück. Noch zu Lebzeiten seines Vaters soll Max Strauß damals an den Möglichkeiten des Lobbyismus geschnuppert haben. Einmal, berichtet Prexl, faltete der gerade 27-jährige Strauß 1986 Deutschlands Botschafter in Riad zusammen, weil dieser sich gegen den Wunsch seines Vaters gegen Waffengeschäfte Deutschlands mit Saudi-Arabien stellte. Später soll er für den Waffenhändler Karlheinz Schreiber als "Türöffner" zur Politik durch die Welt geflogen sein, um Airbus-Verkäufe anzubahnen.

Aber im Gegensatz zum ersten Prozess, wo Strauß noch zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war, sah die Kammer jetzt keinerlei Beweise, dass Strauß tatsächlich als Lobbyist Geld verdiente. Richter Prexl schloss sich im Gegenteil sogar ausdrücklich der Kritik des Bundesgerichtshofs an seinen Augsburger Kollegen an. Die Karlsruher Richter hatten das Ersturteil komplett aufgehoben. "Nicht einen Pfennig" habe Strauß jemals von Schreiber erhalten, sagte Prexl. Dabei erinnerte er daran, dass Schreiber einen großen Teil des Straußschen Familienvermögens in Kanada verspekuliert hat. Ein von ihm für Strauß eingerichtetes Konto sei deshalb vielleicht für einen "Entschädigungsfonds" gedacht gewesen.

Dass an Max Strauß wegen seiner Bekanntheit ein Exempel statuiert werden sollte, sagt sein jüngerer Bruder Franz Georg nach dem Urteil. Dabei ignoriert er zwar, dass es durch die Verwicklungen mit Schreiber durchaus Gründe zumindest für Ermittlungen gab. Die Dauer des Verfahrens dürfte allerdings auch den Anklägern inzwischen schwer im Magen liegen. Nicht zuletzt, weil sie für den zwischenzeitlich an schweren Depressionen erkrankten Strauß zu "existenzieller Not" geführt hätten, wie sein Verteidiger Bernd Müssig sagt. Strauß selbst sagt, die vergangenen Jahre hätten ihn "persönlich und auch wirtschaftlich fast umgebracht".

"Neues Spiel, neues Glück"

Nach dem womöglich endgültig ausgestandenen Rechtsstreit - die Staatsanwaltschaft äußerte sich zurückhaltend, ob sie von der erneuten Möglichkeit der Revision Gebrauch machen will - scheint der Ärger bei Strauß aber versiegt. "Die Zukunftsplanung beginnt in
dieser Sekunde", sprudelt es nach Prozessende aus ihm heraus. Seine Zulassung als Anwalt hatte er während des ersten Prozesses zurückgegeben. Dafür arbeite er jetzt "wirtschaftlich beratend", was er nun ausbauen wolle. "Neues Spiel, neues Glück", sagt er zu seinen Plänen.

Der letzte Schatten der Vergangenheit verfolgt Strauß aber noch. Im Laufe seines ersten Prozesses hatten er und seine Frau sich getrennt, die beiden Töchter sind bei ihr. Die Scheidung war eingereicht, wurde zur Schonung des depressiven Angeklagten aber wieder auf Eis gelegt. "Das Scheidungsverfahren wird jetzt wieder aufgenommen werden", sagt Strauß. Bei allem Ärger über die Staatsanwaltschaft - die Schuld am Scheitern seiner Ehe will er dieser nicht auch noch in die Schuhe schieben.

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