Politik : Freisprüche im Mannesmann-Prozess

Aber Angeklagte verstießen gegen das Aktiengesetz / Stoiber fordert Offenlegung aller Managergehälter

Stephan-Andreas Casdorff,Dieter Fockenbrock

Berlin - Das Landgericht Düsseldorf hat am Donnerstag alle sechs Angeklagten im Mannesmann-Prozess vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel haben nach Ansicht des Gerichts aber gegen das Aktiengsetz verstoßen. Die gezahlten Prämien und Abfindungen in einer Gesamthöhe von 57 Millionen Euro seien zum Teil „unzulässig.“ Dennoch sagte Ackermann nach der Urteilsverkündung: „Ein Freispruch ist ein Freispruch.“ Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer kritisierte ungewöhnlich scharf die Medien im Umgang mit den Prozessbeteiligten sowie die Versuche, Einfluss auf das Gericht zu nehmen.

Der erwartete Freispruch hat die Debatte um Managergehälter in Deutschland angefacht. Experten und Politiker forderten mehr Transparenz und eine bessere Kontrolle durch die Aufsichtsräte. Zumal Ackermann mit einem Jahreseinkommen von elf Millionen Euro 2003 bestbezahlter Konzernchef in Deutschland war. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) plädiert für die Offenlegung der Managergehälter und eine öffentliche Debatte über deren Höhe. Dem Tagesspiegel sagte Stoiber, er schlage „die vollständige Veröffentlichung der Bezüge von Top-Managern nach angelsächsischem Vorbild“ vor. Wenn völlige Transparenz bestehe, „müssen sich Spitzenmanager auch einer öffentlichen Diskussion über die Angemessenheit einzelner Bezüge stellen“.

Der CSU-Politiker sprach sich dafür aus, dass Spitzenmanager „mit ihrem persönlichen Einkommen viel mehr Verantwortung für geschäftlichen Erfolg oder Misserfolg“ übernehmen sollten. Das sei in anderen Ländern auch so. In den USA würden die hohen Manager-Gehälter schließlich genau damit begründet. „In Deutschland scheinen manche Manager-Gehälter stark gestiegen zu sein, aber weitgehend ohne auch das dazugehörige persönliche Risiko mit zu übernehmen“, sagte Stoiber. Eine Begrenzung von Managerbezügen hält Bayerns Regierungschef für „falsch, weil sie Top-Leute aus Deutschland fernhalten oder vertreiben würde“. Zugleich lobte Stoiber, dass die Daimler-Chrysler-Spitze das richtige Signal gesetzt habe, als sie zur Kostenreduzierung im Unternehmen „auch selbst Gehaltsverzicht“ angeboten habe.

Christian Strenger, Mitglied einer Kommission der Wirtschaft für gute Unternehmensführung (Corporate Governance), forderte im Tagesspiegel eine Reform der Aufsichtsräte. Die Gremien seien zu groß und ihre Arbeit zu intransparent. Der stellvertretende SPD- Vorsitzende Wolfgang Thierse sprach von „Selbstbedienung“ bei Mannesmann und rügte sie als „schlicht unanständig“. Nur weil sie rechtlich nicht geahndet werden könne, sei sie moralisch nicht zu rechtfertigen, sagte er. Der DGB erklärte, letztlich habe die Gier der Manager vor Gericht gestanden.

Seiten 3 und 17

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