Fremdenfeindlichkeit : Prozess gegen NPD-Chef wegen Hetze gegen Fußballnationalspieler

Der sogenannte WM-Planer der NPD sorgte vor der Fußball-WM 2006 für Empörung: In dem Blatt wurden farbige Nationalspieler diskriminiert und verunglimpft, darunter auch Patrick Owomoyela. Nun müssen sich die Macher vor Gericht verantworten.

NPD Prozess
Udo Voigt wirkt angriffslustig an diesem ersten Prozesstag. -Foto: dpa

BerlinDer Bundesvorsitzende der rechtsextremen NPD, Udo Voigt, sowie die NPD-Bundesvorstandsmitglieder Frank Schwerdt und Klaus Beier müssen sich seit Dienstag in Berlin Tiergarten vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Volksverhetzung in zwei Fällen sowie Beleidigung. Auf Volksverhetzung stehen im Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Zum Auftakt der Verhandlung lehnten die Angeklagten Aussagen zur Sache ebenso ab wie die sonst in Strafprozessen üblichen Angaben zu den persönlichen Einkommensverhältnissen. Außerdem stellten sie einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens, sowie einen Befangenheitsantrag gegen die Amtsrichterin Monika Pelcz. Beides wurde abgewiesen. Ein Urteil wird für den 7. April erwartet.

Owomoyela sagt als Zeuge aus

Zu dem Prozess kam es, nachdem der afrikanischstämmige Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Strafantrag und Strafanzeige wegen der vor der WM 2006 begonnenen rassistischen NPD-Kampagnen gegen Spieler der deutschen Nationalmannschaft gestellt hatten. Der Fußballprofi, der als Nebenkläger auftritt, sagte als Zeuge vor Gericht aus er habe sich "beleidigt, beschämt und verletzt gefühlt". Auch habe er durch die NPD-Aktion Emails erhalten in denen er aufgefordert wurde, das Land zu verlassen. Das sei seine erste persönliche Begegnung mit rassistischen Beleidigungen gewesen. Vorher habe er solche Erfahrungen nicht machen müssen. Der Rechtsanwalt des DFB und Owomoyelas, Christian Schertz, sagte am Dienstag am Rande der Gerichtsverhandlung, "der DFB wollte mit seiner Strafanzeige ein Zeichen setzen, dass Rassismus im Sport nichts zu suchen hat."

Die Angeklagten sind laut Anklage verantwortlich für die Herstellung des sogenannten WM-Planers, in dem farbige Nationalspieler diskriminiert und verunglimpft wurden. Die Titelseite zeigte neben einem Trikot mit der Nummer 25 den Schriftzug "Weiß - Nicht nur eine Trikot-Farbe - Für eine echte Nationalmannschaft". Diese Trikotnummer war dem damaligen Werder-Spieler Owomoyela zugeordnet, der heute bei Borussia Dortmund spielt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, dass aus Sicht der NPD Spieler mit nicht weißer Hautfarbe kein Recht hätten, Deutschland als Nationalspieler zu repräsentieren. (am/ddp/dpa)

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