Politik : "Fremdenunfreundlichkeit": "Wir können nur zur Vorsicht mahnen"

Claudia von Salzen

Auch im Ausland hat es Schlagzeilen gemacht, dass in Deutschland Tag für Tag Menschen Opfer von Gewalt werden, nur weil sie anderer Hautfarbe sind. Ausländische Gastwissenschaftler an deutschen Hochschulen haben öffentlich gegen die fremdenfeindlichen Übergriffe protestiert. Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausländische Nachwuchseliten für ein Studium an deutschen Hochschulen zu gewinnen. Allein im vergangenen Jahr kamen 26 000 Studenten mit einem Stipendium des DAAD nach Deutschland. Durch den Fremdenhass erleide Deutschland einen Imageschaden als Studien- und Forschungsstandort, sagt DAAD-Vorstandsreferent Stefan Geifes. "Einen massiven Rückgang der Bewerberzahlen für ein Studium an deutschen Hochschulen sehen wir jedoch nicht." Deutschland sei nach wie vor ein sicheres Studienland, betont Geifes. "Wir beschönigen zwar nichts, aber wir raten auch niemandem davon ab, ein Studium in Deutschland aufzunehmen."

Die konkrete Beratung über Studienmöglichkeiten in Deutschland erfolgt vor Ort in den Außenstellen des DAAD. "In den Gesprächen mit Bewerbern ist die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland eigentlich kein Thema", sagt Richard Jacob, der Leiter der DAAD-Außenstelle in Nairobi. Doch als die letzte Stipendiatengruppe kurz vor ihrer Abreise nach Deutschland noch einmal zu einem Gespräch zusammenkam, fragten die Studenten, ob es stimme, dass deutsche Skinheads Ausländer töten wollten, berichtet Jacob. "Wir sagen ihnen, dass Überfälle auf Ausländer von der Mehrheit der Deutschen abgelehnt werden." In Deutschland hätten die Studenten allerdings leidvolle Erfahrungen mit der Ausländerfeindlichkeit gemacht. "Bei einem Stipendiatentreffen haben sich viele nicht getraut, zu einem Cocktail um 20 Uhr zu kommen", sagt Jacob.

"Wir können nur zur Sprache bringen, dass es Probleme gibt, und zur Vorsicht mahnen", sagt auch Hannelore Bossmann, die Leiterin der DAAD-Außenstelle in Neu-Delhi. Bevor die Stipendiaten nach Deutschland abreisen, spricht sie mit ihnen über die Ausländerfeindlichkeit. "Aber wenn ehemalige Stipendiaten die neuen beraten, ist das überhaupt kein Thema", sagt Bossmann. Bei Veranstaltungen, in denen sie für das Studium in Deutschland wirbt, wird sie allerdings immer wieder von Medienvertretern nach der fremdenfeindlichen Gewalt in Deutschland gefragt. "Die Zeitungen in Indien sind voll davon." In den Medien werden die Übergriffe auf Ausländer auch als einer der Gründe dafür genannt, dass das Interesse an der Green Card nur verhalten ist. Doch einen Rückgang der Bewerberzahl für einen Studienaufenthalt hat Bossmann nicht beobachten können. "Nach Deutschland wollen sowieso nur 800 Studenten im Jahr, die meisten gehen in die USA."

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