Politik : Freunde auf der Flucht

Vor allem die SPD und die PDS verlieren Anhänger. Fast alle Parteien versuchen ihre Basis mit Werbekampagnen zu vergrößern

Ulrike App

Das Meckern über Politik ist in. Deshalb ist das Mitarbeiten in einer Partei auch out. Im vergangenen Jahr verloren fast alle deutschen Parteien Mitglieder. Ein Trend der seit Jahren anhält. Die Ausnahme der vergangenen beiden Jahre: die FDP. Im Jahr 2002 gewannen die Liberalen 8000 neue Mitglieder für sich. „Der Schub war deutlich nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2000 zu spüren“, erklärt Wulf Oehme, stellvertretender Sprecher der FDP, den Zuwachs. Vor allem bei den unter 35-Jährigen habe man neue Mitglieder werben können. Im Osten bleibt die FDP aber schwach. 66 560 Mitglieder zählen die Liberalen nach den Querelen um Jürgen W. Möllemann und die Bundestagswahl. „Im Dezember 2002 hatten wir ein leichtes Minus. Aber man muss abwarten, wie die Lage nach den nächsten Landtagswahlen ist“, sagt Oehme.

Die einzigen Parteien, bei denen es nur abwärts ging in den vergangenen zehn Jahren, sind die PDS und die SPD. Die mitgliederstärkste Partei, die SPD, zählte zum Ende des Jahres 2002 nur noch 693 894 Genossen. 1992 waren es noch etwa 880 000 Sozialdemokraten. Rund 23 000 ausgetretene Sozialdemokraten musste Generalsekretär Olaf Scholz 2002 hinnehmen. „Wir kriegen das hin. Für uns ist wichtig, dass langfristig der Saldo nicht nach unten geht,“ sagte Scholz dem Tagesspiegel jüngst in einem Interview zum Mitgliederschwund in seiner Partei. Die PDS legt im Westen zwar seit Jahren leicht zu, dafür verliert sie aber umso mehr Mitglieder in den neuen Bundesländern. „Die Abgänge im Osten sind größtenteils Sterbefälle“, sagt Uwe Hiksch, Bundesgeschäftsführer der PDS. „Die größte Eintrittswelle seit 1989“ mit rund 800 Neumitgliedern erlebte die PDS nach der verlorenen Bundestagswahl, beteuert Hiksch.

„Die Leute wollen sich einfach nicht mehr festlegen,“ sagt Steffi Hagelüken, Sprecherin der CDU. Knapp unter 600 000 Mitglieder hatten die Christdemokraten 2002. Die CDU hatte von der Wiedervereinigung zunächst profitiert. Inzwischen sieht es anders aus. „Im Osten sind wir strukturell immer noch zu schwach.“ Besser sieht es bei der Schwesterpartei aus. „Wir haben es im Gegensatz zu den anderen Parteien geschafft die Mitgliederzahl über Jahre stabil zu halten“, sagt Karola Kraus Sprecherin der CSU. Rund 178 200 Bayern gehörten der Partei 2002 an.

„Sechzehn verlorene Landtagswahlen, das ging in die Knochen. Da nützt Mitgliederwerbung nichts mehr“, kommentiert der Bundesschatzmeister von Bündnis 90/Die Grünen, Dietmar Strehl, die Verluste seiner Partei. Der Kosovo-Krieg und die Regierungsbeteiligung habe weitere Grüne zum Austritt bewogen. Seit der Bundestagswahl lege die Partei aber wieder zu. Untätig bleibt da kaum eine Partei. Die CDU hat das „Jahr der Mitgliederwerbung“ ausgerufen. Die Grünen gehen mit „Testwochen“ in die Offensive. Nur die CSU bleibt ruhig – und spart sich aufwändige Kampagnen.

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