Politik : Freunde für die Ewigkeit

Fischer sagt Kabul weitere Hilfe zu – aber keine neuen Truppen

Elke Windisch[Kabul]

Sandsäcke und schwer bewaffnete deutsche Soldaten von der internationalen Schutztruppe (Isaf) waren das Erste, was Außenminister Joschka Fischer auf dem Flughafen von Kabul zu sehen bekam. Der Deutsche besuchte eine Stadt, in der der Krieg noch nicht ganz vorbei ist und der Frieden noch sehr fragil – so wie in ganz Afghanistan. Bei seinem Besuch des deutschen Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kundus hatte Fischer zuvor eine zusätzliche Entsendung deutscher Truppen nach Afghanistan dennoch klar abgelehnt. „Wir werden uns auf Kundus konzentrieren.“ Andere Nationen könnten aber in weiteren Regionen Afghanistans tätig werden, sagte der Minister. Die regionalen Wiederaufbauteams bezeichnete er als „wichtigen Schritt“ für die Entwicklung Afghanistans. Dem deutschen Team gehören 250 Bundeswehrsoldaten an, die rund 400 zivile Kräfte in der Region schützen. Fischer zeigte sich „tief beeindruckt“ von der Arbeit der Deutschen. „Das Vertrauenskapital sollten wir wirklich nutzen, um den Wiederaufbau voranzutreiben.“

Übergangspräsident Hamid Karsai zeigte sich auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Abend in Kabul „sehr froh, einen guten Freund Afghanistans“ bei sich begrüßen zu dürfen. Gerade Deutschlands Bemühungen um Frieden am Hindukusch werde das afghanisch Volk ewig in guter Erinnerung behalten.

Dass das deutsche Engagement in Afghanistan nicht erst mit dem Sturz der Taliban begann, konnte Fischer beim Besuch der Kabuler Amani-Schule feststellen. Vor 80 Jahren wurde die Schule von dem damaligen König Amanullah gegründet. Fast ebenso lange wird Deutsch dort von deutschen Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet. Einige sammelten während der Talibanzeit Geld, um Lebensmittel und Medikamente für die afghanischen Kollegen zu kaufen. Viele ehemalige Amani-Schüler, so lobte Fische während der Jubiläumsfeier, hätten auch in den schwersten Zeiten immer Verbindung zu Deutschland gehalten.

Am heutigen Mittwoch will Fischer auf der zweiten Station seiner Reise in Aserbaidschan mit Staatschef Ilham Alijew zusammentreffen. Anschließend besucht der Außenminister Armenien und Georgien.

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