Politik : Freundliches Schweigen

In Israel gibt es kaum kritische Stimmen zu einem eventuellen Friedenseinsatz der Bundeswehr – die Truppe hat einen guten Ruf

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Wenn Israels angesehenste Zeitung, der „Haaretz“, zu 25 Prozent an den Kölner Verlag DuMont Schauberg verkauft wird, dann regt sich nur das konkurrierende Monopolblatt „Yedioth Ahronoth“ über die Nazi-Vergangenheit des Vaters von Käufer Alfred Neven DuMont auf. Vater Kurt Neven DuMont war Mitglied in der NSDAP. „Yedioth Ahronoth“ widmet dem Thema eine Doppelseite. Wenn die Bundesregierung die Entsendung einer kleinen Marineeinheit im Rahmen der erweiterten und robusten Unifil-Mission vor die Küste des Libanon beschließt, dann ist dies derselben Zeitung dagegen keine eigene Meldung wert.

Nur zwei Sätze sind in einem Artikel zum gesamten Problemkomplex Internationale Truppe zu lesen. „In Deutschland wurde gestern mitgeteilt, dass keine Truppen in den Libanon entsendet werden, sondern nur eine kleine Marineeinheit zur Verhinderung von Waffentransporten aus Syrien. In Israel war klar, dass in Berlin ein harte Debatte zu diesem Thema stattfindet, und es war bekannt, dass auf alle Fälle, wenn überhaupt, nur eine kleine Einheit entsandt würde.“

Wahrlich: Die Zeiten haben sich auch in Israel geändert. Seit Ministerpräsident Ehud Olmert sich ausdrücklich deutsche Truppen im Südlibanon gewünscht hat, meldete nur ein einsamer Rufer in der Medienwüste Protest an. Es war der ehemalige Justizminister Joseph Tommy Lapid, ein Holocaust-Überlebender, der nach dem Zusammenbruch seiner Shinui-Partei und dem Ausscheiden aus der Politik auf der Suche nach Schlagzeilen, Mikrofonen und TV-Kameras ist. „Es wäre eine Katastrophe, wenn deutsche Soldaten Israel verteidigen müssten“, sagte Lapid. Mosche Zimmermann, Professor für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität, ist da anderer Meinung. Auch die Holocaust-Überlebenden wüssten sehr genau zwischen Wehrmacht und Bundeswehr zu unterscheiden, so der Historiker. Deswegen dürften sie nichts gegen deutsche Soldaten im Südlibanon einzuwenden haben. Denn tatsächlich diene diese Truppe ja nur zur Verteidigung Israels und wäre nicht im jüdischen Staat stationiert. Mit dieser Äußerung war die öffentliche Diskussion, die eigentlich gar nicht stattgefunden hatte, beendet.

In den politischen Kreisen Jerusalems hätte man sich dagegen – wie Ministerpräsident Olmert – eine größere deutsche Mitwirkung in der internationalen Truppe gewünscht. Auf die Bundeswehr ist Verlass – im Gegensatz zu Truppen aus anderen Ländern, so der einhellige Tenor. Aber nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Bundesregierung im Speziellen und Deutschland im Allgemeinen gelten als zuverlässigster Freund und Partner in Europa – auch und vor allem dank des hier hochangesehenen Joschka Fischer.

Israels Hoffnungen für die Unifil richten sich ausgerechnet in Richtung Frankreich. Zwar liegt man mit den Franzosen politisch nicht auf einer Wellenlänge. Groß ist dagegen im israelischen Verteidigungsministerium in Tel Aviv die Wertschätzung für die französische Armee. Dagegen haben die Strategen in Israel ein Problem mit Unifil-Truppen, die von muslimischen Staaten entsendet werden könnten, zu denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Für das politische Jerusalem sind die Forderungen hinsichtlich einer Friedenstruppe an die Vereinten Nationen eindeutig: Unifil soll nur aus Truppen bestehen, deren Heimatländer den jüdischen Staat anerkennen.

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