Politik : Freundschaft auf Bewährung

Merkel und Griechenlands Premier Samaras suchen den Neuanfang – aber die Zweifel an Athen bleiben.

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Militärische Ehren. Kanzlerin Merkel empfängt in der Regierungszentrale den griechischen Premier Samaras, dessen erste Auslandsreise im Amt nach Berlin führte. Foto: krohnfoto.de
Militärische Ehren. Kanzlerin Merkel empfängt in der Regierungszentrale den griechischen Premier Samaras, dessen erste...Foto: k r o h n f o t o . d e

Berlin - An diesem leicht regnerischen Spätsommertag soll so etwas wie frühlingshafte Aufbruchstimmung herrschen. Das ist jedenfalls der Eindruck, den Angela Merkel und Antonis Samaras am Freitagmittag zu vermitteln versuchen, als sie im Kanzleramt nebeneinanderstehen. Der hochgewachsene Grieche, der vor zwei Monaten als Ministerpräsidenten in Athen vereidigt wurde, ist auf seiner ersten Auslandsreise im Amt nach Berlin gekommen. Er spricht nach dem Treffen mit Merkel von einem „Neuanfang“, und auch die Kanzlerin betont die „traditionell sehr guten Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland“. Samaras nickt Merkel lächelnd zu.

Als der heutige Premier im Juni siegreich aus der Parlamentswahl hervorging, wurde das Ergebnis in der Euro-Zone mit allgemeiner Erleichterung aufgenommen. Anders als sein Gegenspieler Alexis Tsipras von der linksradikalen Syriza-Partei hatte Samaras im Wahlkampf versprochen, die Auflagen der internationalen Geldgeber weitgehend zu erfüllen und so die drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands abzuwenden.

Inzwischen hat es sich aber herumgesprochen, dass in Griechenland durch den Dauerwahlkampf des vergangenen Frühjahrs viele der zugesagten Reformen ausgeblieben sind. Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) forderte, dass an Griechenland „ein Exempel statuiert werden“ müsse, und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erklärte, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone „längst seinen Schrecken verloren“ habe. Hinzu kommt: Auch die Beziehungen zwischen dem Konservativen Samaras und seiner eigenen europäischen Parteienfamilie, der EVP, sind nicht ganz frei von Belastungen – schließlich hatte Samaras in seiner Zeit als Oppositionsführer trotz aller Appelle der europäischen Konservativen den Reformkurs des früheren griechischen Regierungschefs Giorgos Papandreou torpediert.

Es ist also ein politisch vermintes Terrain, das Merkel und Samaras am Freitag im Kanzleramt bei allem guten Willen zum Neustart betreten. So bleibt es auch nicht aus, dass sich Samaras über „toxische Erklärungen, egal aus welcher Richtung“, beschwert – eine kaum misszuverstehende Replik auf Forderungen aus der CSU und der FDP, Griechenland aus der Euro-Zone hinauszudrängen. „Gibt es einen Unternehmer, der in einem Land investiert, wenn er weiß, dass er Drachmen zurückbekommt?“, fragt Samaras verbittert. Der Gast aus Athen lässt aber ebenfalls anklingen, dass auch er seinen Anteil an der gegenwärtigen Misere trägt. „Niemand ist unschuldig“, sagt er.

Doch weder Samaras noch Merkel ist daran gelegen, im großen Stil eine Rückschau zu betreiben. Stattdessen gibt sich der griechische Ministerpräsident mit Blick auf den bevorstehenden Bericht der Troika der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds zuversichtlich. Der Report werde zum Ergebnis kommen, dass seine DreiParteien-Koalition „sehr bald zu Ergebnissen“ führen werde, beteuert er.

Merkel zeigt sich wiederum davon überzeugt, dass Samaras alles daran setzen werde, „die Probleme Griechenlands zu lösen“. Die Kanzlerin räumt auch ein, dass die im fünften Jahr andauernde Rezession in Griechenland für die dortige Bevölkerung „eine schwierige Wegstrecke“ bedeute. Sie legt die Hände zusammen, während sie die unterschiedlichen Sichtweisen in der deutschen und griechischen Öffentlichkeit auf die Krise beklagt. Es müsse darum gehen, „dass zum Schluss die Mehrzahl der Menschen in Griechenland und die Mehrzahl der Menschen in Deutschland die Dinge wieder gleich sehen“, fordert sie.

Dazu passt allerdings nicht ganz, dass sich inzwischen auch bei den Christdemokraten die Tonlage in Sachen Griechenland deutlich verschärft. Kein Geringerer als Volker Kauder spricht nämlich an diesem Tag, der in der Dauerkrise eigentlich alles zum Guten wenden soll, vom „Grexit“, also dem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Ein Austritt Athens, sagt der Unions-Fraktionschef, wäre „für den Euro kein Problem“.

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