• Freundschaft will verdient sein - Noch sucht US-Präsident Clinton das richtige Verhältnis zu Putin

Politik : Freundschaft will verdient sein - Noch sucht US-Präsident Clinton das richtige Verhältnis zu Putin

Getroffen haben sich Wladimir Putin und US-Präsident Bill Clinton bereits mehrfach, doch der russisch-amerikanische Gipfel wird nach den gestrigen Gesprächen mit den EU-Vertretern am kommenden Wochenende in Moskau die erste Begegnung seit der Wahl Putins zum russischen Präsidenten sein. Beherrscht werden dürften die Gespräche vom Streit über die amerikanischen Pläne für ein neues Raketenabwehrsystem, das nach russischer Ansicht den ABM-Vertrag zur Raketenabwehr aus dem Jahr 1972 verletzen würde. Anders als bei Clinton und Putins Vorgänger Boris Jelzin verbindet beide kein freundschaftliches Verhältnis. Und Beobachter bezweifeln, ob beide ein solches jemals aufbauen werden.

Schließlich wird bereits im November Clintons Nachfolger gewählt, der im Januar die Amtsgeschäfte übernehmen wird. Und Putin, darin sind sich amerikanische mit russischen Beobachtern einig, ist aus anderem Holz geschnitzt als Jelzin. Die Zeit der Politik des Schulterklopfens mit dem russischen Bären sei endgültig vorbei, sagt Michael McFaul von der amerikanischen Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden. Clinton und Jelzin hätten bei 19 Begegnungen auf dem internationalen Parkett auch eine persönliche Beziehung zueinander aufgebaut. Dies hatte Clinton in den USA den Vorwurf eingetragen, er setze zu einseitig auf Jelzin.

Analytisch und zurückhaltend

Beobachter wie McFaul verweisen darauf, dass der ehemalige Geheimdienstchef Putin mit seinem Vorgänger nicht vergleichbar sei. Zum Verhältnis Putins zu Clinton sagte McFaul: "Putin ist sehr viel strenger und ernsthafter. Beide Politiker sind völlig verschieden. Ich glaube nicht, dass sie gut miteinander auskommen werden."

Auch Putins Frau Ljudmilla hat ihren Mann in einem jüngst erschienenen Buch als ernst beschrieben. Er habe immer für seine Ziele gelebt. Es gebe Menschen, die für Geld hart arbeiteten, "aber er (Putin) arbeitet hart für Ideen", schrieb seine Frau. Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Putin sei gemessen an Jelzin, der eher emotional reagierte, ein analytischer und zurückhaltender Mensch.

Clinton hatte Putin bereits zwei Mal getroffen, als dieser noch Ministerpräsident war: im September in Neuseeland anlässlich des Gipfels der asiatisch-pazifischen Staaten und im November in Oslo. Bei beiden Treffen ging es bereits um den ABM-Vertrag und um den Tschetschenien-Krieg. Berger beschrieb das Treffen in Neuseeland seinerzeit als einen offenen Meinungsaustausch - was diplomatisch nur umschrieb, dass beide verschiedener Meinung waren.

Trotz ihrer Differenzen in den Sachfragen haben sowohl Clinton als auch Putin freundliche Worte für den jeweils anderen gefunden. Putin erinnert sich in dem Buch "Aus erster Hand" daran, wie ihn Clinton in der neuseeländischen Stadt Auckland beim Bankett zur Seite nahm, um mit ihm zu sprechen. Gut gefallen habe ihm, dass Clinton im Gespräch ein ernster Mensch zu sein scheine.

Ermutigt durch Reformen

Clinton sagte im März nach einem Telefonat mit dem damals gerade zum Nachfolger Jelzins gewählten Putin, er baue auch auf eine gute persönliche Beziehung zum neuen ersten Mann im Kreml. Er sei ermutigt, wie der neue Präsident die Wirtschaftsreformen im Lande weiter verfolgen und mit den USA bei der Rüstungskontrolle zusammenarbeiten wolle.

Clinton scheidet im Januar aus dem Amt. Bis dahin haben er und Putin auf noch mindestens drei internationalen Foren nach dem Moskauer Gipfel am 4. und 5. Juni die Chance, sich in letzter Minute näher zu kommen.

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