Politik : Frieden schaffen ohne Waffen

Deutsche Pazifisten wollen in Sri Lanka neue Gewalt verhindern

Roman Heflik

Nach 19 Jahren Bürgerkrieg soll künftig auf Sri Lanka Frieden herrschen. Am Donnerstag einigten sich Regierung und Tamilen-Rebellen auf ein Ende der Kämpfe. Jetzt wollen zivile Friedensaktivisten aus aller Welt eine Friedenstruppe aufstellen und als Beobachter in das ehemalige Bürgerkriegsgebiet reisen. Dabei sein werden auch Veteranen der deutschen Friedensbewegung, die nach neuen Einsatzgebieten suchen.

Auf einer Konferenz am vergangenen Wochenende in Neu-Delhi hatten 100 Vertreter internationaler Friedensgruppen die Aufstellung einer 2000 Mann starken Friedenstruppe, der „Nonviolent Peaceforce“ beschlossen. Wenn alles nach Plan läuft, kann die Einheit ab Mitte kommenden Jahres in Krisengebieten in aller Welt aktiv werden. Die Delegierten entschieden sich für Sri Lanka als ersten Einsatzort. 150 bis 200 Konfliktschlichter sollen im kommenden Frühjahr ausgebildet werden und dann als unbewaffnete Vermittler auf der vom Bürgerkrieg verwüsteten Insel die Einhaltung des Friedensabkommens beobachten.

„Wir sind so etwas wie UN-Blauhelme, nur ohne Helm und Gewehr“, sagt Henry Stahl. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Friedensbewegung hat Stahl in Neu-Delhi die Friedensorganisation „Bund für Soziale Verteidigung“ (BSV) vertreten. Vorbilder für das „unbewaffnete Peacekeeping“ sind für die Friedenskämpfer Gruppen wie die „Peacebrigades“ in Südamerika. Dort begleiten unbewaffnete Helfer Bürgerrechtler, um sie vor Einschüchterungen und Entführungen zu schützen.

Durch die Beteiligung an der „Nonviolent Peaceforce“ wollen Teile der deutschen Friedensbewegung Anschluss an internationale Gesinnungsgenossen finden und sich zugleich neue Aufgabenfelder erschließen. Mit den UN wolle man aber bei diesen Einsätzen keinesfalls konkurrieren, sagt Stahl. Dazu seien auch die Kontingente zu klein, die man in die Konfliktgebiete schicken wolle. Auch Stahl kennt seine Grenzen: „Wenn die Kugeln schon fliegen, ist es für Worte zu spät.“

Nach Angaben von Volker Betz, Geschäftsführer des BSV, soll der Einsatz in Sri Lanka ein Jahr dauern und rund sechs Millionen Dollar kosten. Man befinde sich wegen der Finanzierung noch in Gesprächen mit den UN, der EU und dem Auswärtigen Amt. Sobald die „Friedensarmee“ eine Größe von 2000 bis 3000 Freiwilligen erreicht habe, soll sie symbolisch den UN übergeben werden.

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