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Politik : Friedens-Nobelpreis: Nordkorea entdeckt klassische Diplomatie Erste Kontakte auch zu Deutschland

Alexander Loesch

Nordkorea hat nach Jahrzehnten seiner Selbstisolation die Vorteile der klassischen Diplomatie entdeckt. Der spektakulärste Schritt war bislang der Besuch des "zweitstärksten Mannes" nach Staatschef Kim Jong Il, Vizemarschalls Jo Mong Rok, diese Woche in Washington. Vor allem sein Treffen mit US-Präsident Bill Clinton, das die amerikanische Seite als "positiv, direkt und warmherzig" beschrieb, hat offenbar einiges in Bewegung gesetzt. Außenministerin Madeleine Albright kündigte postwendend ihren baldigen Besuch in Pjöngjang an.

Auch nach Europa und besonders nach Deutschland richten die Nordkoreaner ihre vorsichtige Öffnungsoffensive. Nach einem diskreten, noch fast im Verborgenen verlaufenen Besuch des nordkoreanischen Außenministers Paek Nam Sun im Frühjahr in Berlin, flog am Freitag erstmals ein Mitglied der Bundesregierung nach Pjöngjang. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, wollte dort unter anderem Entwicklungshilfeprojekte vorantreiben. Ende Oktober wird dann erstmals eine offizielle Delegation des Bundestags der nordkoreanischen Hauptstadt eine Visite abstatten.

Ein besonderes Interesse für Deutschland, das seine Teilung friedlich überwunden hatte, zeigte bisher freilich nur Seoul. Die Südkoreaner hoffen, dass das Land bei aller Unterschiedlichkeit eines Tages - wenn auch in einer sehr abgewandelten Form - dem deutschen Beispiel folgen könnte. Aber auch die stalinistische Führung Nordkoreas dürfte inzwischen begriffen haben, dass die unumgängliche Öffnung unweigerlich zur allmählichen Überwindung der Teilung führen muss.

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