Politik : Friedens-Nobelpreis: Südkoreas Präsident Kim erhält die Auszeichnung

Der südkoranische Präsident Kim Dae Jung ist am Freitag mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Das norwegische Nobelkomitee begründete in Oslo die Vergabe an den 74-Jährigen mit dessen Arbeit für Demokratie und Menschenrechte in Südkorea und in Ostasien insgesamt. Vor allem aber werde Kim wegen seiner Arbeit für "Frieden und Versöhnung mit Nordkorea" geehrt.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Gunnar Berge, verglich die Vergabe an Kim Dae Jung mit dem Friedensnobelpreis 1971 für den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt. Beide hätten Entscheidendes für den Abbau von Folgen des Kalten Krieges geleistet. Brandt war 1971 für seine Versöhnungspolitik gegenüber den Ländern Osteuropas ausgezeichnet worden. Das Osloer Komitee erklärte in seiner Begründung zu den jüngsten Leistungen Kims: "Sein Besuch in Nordkorea gab den Anstoß zu einem Prozess, mit dem die Spannungen zwischen beiden Ländern vermindert werden. Nun gibt es Hoffnung, dass der Kalte Krieg auch in Korea beendet werden kann."

Kim Dae Jung war seit 1978 als Menschenrechtler jedes Jahr offiziell für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Er war dabei in der Opposition gegen die autoritäre Regierungsform seines Landes aktiv, wurde wegen angeblicher Umsturzpläne 1980 zum Tode verurteilt und musste mehrere Jahre ins Exil. Seine Wahl zum Staatspräsidenten 1997 gilt als Durchbruch für die Demokratie in Südkorea.

In Seoul erklärte Kim nach Bekanntwerden der Osloer Entscheidung: "Ich will diese Ehre an all meine Landsleute weitergeben". Sie gehöre den Menschen, die ihn während der vergangenen 40 Jahre in seinem Kampf für Demokratie, Menschenrechte und die Versöhnung mit Nordkorea unterstützten, sagte er. Vor dem Namsan-Berg in Seoul wurde ein Feuerwerk gezündet, als sich die Nachricht über die Vergabe des Nobelpreises an Kim verbreitete. Das Fernsehen zeigte, wie die Menschen in Kims Heimatort auf der Insel Haui im Süden des Landes Freudentänze vor dem Geburtshaus des Präsidenten aufführten.

Bundeskanzler Gerhard Schröder schrieb in seinem Glückwunsch: "Der Friedensnobelpreis ehrt Ihr Lebenswerk, Ihr mutiges Eintreten für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit, für Ihr Land, für Asien und für die ganze Welt". Zu den Gratulanten gehörten auch der tschechische Präsident Vaclav Havel, der französische Staatspräsident Jacques Chirac und sein Premier Lionel Jospin.

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit 2,1 Millionen Mark dotiert und wird traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), in Oslo überreicht. Seit 1901 wird der Preis an Personen verliehen, die sich um die Völkerverständigung und den Abbau militärischer Spannungen verdient gemacht haben.

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