Politik : Friedensbewegung: Weltweit demonstrieren Menschen gegen Krieg

Die Friedensbewegung plant bundesweit Proteste gegen drohende Militärschläge der USA. Auf einer Konferenz des Bundesausschusses Friedensratschlag einigten sich am Wochenende in Kassel die 150 Teilnehmer auf einen gemeinsamen Aufruf unter dem Motto: "Aufstehen für den Frieden". Verabredet wurden unter anderem Großdemonstrationen am 13. Oktober in Berlin und in Stuttgart. Bereits am Samstag demonstrierten Tausende gegen einen drohenden Krieg; auch in Großbritannien und den USA gingen Menschen deswegen auf die Straße.

Angst vor Gewaltspirale

In Berlin verlief eine Protestaktion mit mehreren tausend Demonstranten zwischen Rotem Rathaus und Auswärtigem Amt am Samstag nach Angaben der Polizei friedlich. Aufgerufen hatte zu der Aktion ein "Bündnis gegen Krieg". In München beteiligten sich etwa 1000 Menschen an einer Kundgebung mit dem Motto "Nein zum Krieg! Stoppt die Spirale von Terror, Krieg und Rassismus". Gegen eine Eskalation von Gewalt und Gegengewalt richtete sich auch eine Demonstration in Hamburg mit geschätzten 500 bis 600 Teilnehmern; in Köln gingen etwa 200, in Erfurt etwa 100 Menschen auf die Straße.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Der Anmelder der Berliner Demonstration, Ralf Reinders, erklärte, den Protestzug habe ein Bündnis aus politischen Organisationen und zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen initiiert. Viele Menschen seien empört über die "Kriegsvorbereitung der Nato". In Kassel betonte der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Willy van Ooyen: "Mit einem Militärschlag wird die Gewaltspirale nur verlängert". Bei einem Krieg hätte vor allem die Zivilbevölkerung das Leid zu tragen. Kritisiert wurde Bundeskanzler Gerhard Schröder, der den USA bedingungslos in ihrer Politik folgen wolle. "Wir fühlen uns damit selbst als Geiseln", sagte van Ooyen. Jeder sei wegen der Anschläge auf New York und Washington entsetzt. Trotzdem sprächen sich viele Deutsche gegen kriegerische Auseinandersetzungen aus.

Der Politikwissenschaftler Werner Ruf betonte, terroristische Anschläge wie jene in den USA seien nicht zu vermeiden. Man dürfe nicht übereilt und ohne ausreichende Beweise handeln. Das Terrorismusproblem könne nur langfristig mit einer anderen Außen- und Entwicklungspolitik gelöst werden. Dabei müsse vermehrt die Armut bekämpft und Respekt vor anderen kulturellen Identitäten aufgebracht werden.

Bislang habe der Westen jedoch nur auf stabile Regierungen im Nahen Osten geachtet. Gegen Menschenrechtsverletzungen in der Region und undemokratische Regime habe man sich kaum gewandt. "Mit einem militärischen Angriff auf Afghanistan bringt man nur wieder zahlreiche Unschuldige um", sagte Ruf. Durch diese Gewalt werde der Hass und die Wut der Hilflosen gegen den Westen nur weiter verstärkt.

Auch in London protestierten Tausende Menschen für Frieden und gegen einen militärischen Angriff auf Afghanistan. Die etwa 3 000 Demonstranten versammelten sich im Stadtzentrum in der Nähe des Amtssitzes von Premierminister Tony Blair. Viele waren schwarz gekleidet und trugen einen Zettel mit der Aufschrift: "Steht Schulter an Schulter für Frieden und Gerechtigkeit. Keine Gewalt mehr." Veranstaltet wurde die Mahnwache von der Kampagne für atomare Abrüstung (CND). Deren Sprecherin Carol Naughton sagte: "Jeder militärische Schlag wird mehr Zivilisten töten, die es nicht verdient haben zu sterben, so wie es die Amerikaner nicht verdient hatten.

Schweigen für künftige Tote

In Los Angeles demonstrierten rund 500 Menschen gegen die geplante Reaktion der USA. Sie legten einen symbolischen Moment des Schweigens für jene ein, die bei einem amerikanischen Vergeltungsangriff möglicherweise getötet würden. In der Innenstadt von Seattle im Staat Washington demonstrierten über 100 Menschen gegen einen Militärschlag gegen Afghanistan.

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