Friedenserklärung : Nord- und Südkorea nähern sich einander an

Die Präsidenten von Nord- und Südkorea haben zum Abschluss ihres historischen Treffens in Pjöngjang eine gemeinsame Friedenserklärung unterzeichnet. Bisher befinden sich die Staaten formal noch im Kriegszustand. Außerdem wird Nordkorea sein Atomprogramm beenden.

korea Foto: AFP
Historischer Händedruck: Die beiden Staatschefs von Süd- und Nordkorea, Roh Moo Hyun und Kim Jong Il. -Foto: AFP

SeoulDie beiden Regierungschefs sprachen sich zum Abschluss ihres historischen Gipfels für einen Friedensvertrag und das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms aus. "Der Süden und der Norden sind sich einig, dass sie das derzeitige System des Waffenstillstands beenden und ein dauerhaftes Friedenssystem schaffen sollten", zitierte der Reporterpool in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang aus einer Abschlusserklärung Kims und Rohs.

In der Schlussdeklaration rufen die Staatschefs zu einem Gipfel von "drei oder vier Ländern" auf, um auch offiziell das Ende des Korea-Kriegs (1950-1953) zu besiegeln. Die beiden Koreas hatten nach dem Krieg nur einen Waffenstillstand geschlossen, jedoch keinen Friedensvertrag - womit sie sich formell nach wie vor im Kriegszustand befinden. Einem Friedensvertrag müssten auch die Schutzmächte USA und China zustimmen.

Opposition in Südkorea mißtrauisch

Darüberhinaus vereinbarten Kim und Roh zudem gemeinsame Bemühungen zur reibungslosen Beendigung des umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramms. Nach Sechs-Nationen-Gesprächen zur Beendigung hatte Pjöngjang dem vollständigen Abbau seiner Atomanlage in Yongbyon zum Jahresende zugestimmt. Dafür erhält der verarmte kommunistische Staat Wirtschaftshilfe, unter anderem in Form von Öllieferungen. Die Ankündigung der beiden Staatschefs wird von der konservativen Opposition in Südkorea kritisch bewertet: Sie erklärte, es solle besser keine überstürzte Friedenserklärung geben, so lange das Atomprogramm nicht beendet sei.

Insgesamt werteten Beobachter die Ergebnisse des Gipfels positiv. "Der Gipfel hat mehr erbracht als viele zuvor prophezeit haben - vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht und beim Thema Frieden", sagte etwa Kim Yeon Chul, Professor am südkoreanischen Asien-Forschungszentrum der Korea-Universität. Entscheidend sei, dass auch die Beendigung des Kriegszustands auf der Halbinsel Thema der Erklärung sei. Koh Yu Hwan, Politikprofessor an der Dongkuk-Universität betonte, die Schlusserklärung sei deutlich präziser als noch beim ersten Korea-Gipfel im Jahr 2000.

Für die Zukunft kündigten die beiden Staatschefs regelmäßige Gipfeltreffen an. Im November sei ein Treffen der Ministerpräsidenten Nord- und Südkoreas in Seoul geplant. Außerdem soll an der umstrittenen Grenzlinie zwischen beiden Ländern im Gelben Meer eine Friedenszone eingerichtet werden. (mit AFP, dpa)

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