Politik : Friedensforschung gestärkt: Neue Stiftung soll Beitrag zu Konfliktbewältigung leisten

Mit der "Deutschen Stiftung Friedensforschung" will die Bundesregierung einen Beitrag zur Konfliktbewältigung und Politikberatung leisten. "Die Erwartungen an die deutsche Außenpolitik, aktiv zur Friedensgestaltung beizutragen, sind nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konfliktes gestiegen", sagte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Freitag in Berlin. Die in Osnabrück angesiedelte Stiftung soll unabhängig von den jeweiligen Bundesregierungen arbeiten und wird mit einem Stiftungskapital von 50 Millionen Mark ausgestattet.

Sie erwarte von der Friedensforschung Analysen und Strategien zur Konfliktbewältigung, sagte Bulmahn. Die Stiftung soll wissenschaftliche Vorhaben fördern, Nachwuchs unterstützen und Konferenzen durchführen, nicht jedoch selbst forschen. Die Forschung solle an den Universitäten bleiben. Der ehemalige Bundesminister Egon Bahr, der von Bulmahn in den Gründungsvorstand berufen wurde, kritisierte die finanzielle Ausstattung der Stiftung als zu gering und bedauerte, dass kein eigenes Forschungsinstitut geschaffen werden könne. Er hoffe, dass es künftig private Zuwendungen von der deutschen Wirtschaft gebe.

Als eine zentrale Aufgabe der Friedensforschung bezeichnete Bulmahn die Frage, wie politische Akteure dazu gebracht werden könnten, auf Gewalt als Mittel in Konflikten zu verzichten. Hier erwarte sie gerade vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts Lösungsstrategien. Auch solle erforscht werden, wie mit der Eigendynamik von Konflikten umgegangen werden könne. Mit der DSF werde eine im Vergleich zu anderen Staaten bestehende Lücke geschlossen, betonte Bulmahn. Vor einem Jahr hatte die Ministerin eine Kommission für die Friedensforschung unter dem Vorsitz von Bahr, der Herausgeberin der Wochenzeitung "Die Zeit", Marion Gräfin Dönhoff, und dem ehemaligen EU-Beauftragten für Mostar, Hans Koschnick, eingesetzt. Die Kommission hatte sich für die Gründung einer Stiftung ausgesprochen. Die Arbeit der Stiftung solle im ersten Quartal 2001 beginnen.

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