Politik : Friedensgespräche: Israel und Palästinenser setzen sich 5-Wochen-Frist

KNA

Nach der Verschiebung der Gründung des unabhängigen Palästina wollen die Palästinenser die Friedensgespräche mit Israel am Dienstag fortsetzen. Unterhändler Erekat sagte, die Verhandlungen seien auf fünf Wochen terminiert, um zu einer Lösung der offenen Fragen zu kommen. Israels Außenminister Ben Ami begrüßte die Entscheidung des PLO-Zentralrates. Dies sei ein "Schritt in die richtige Richtung", sagte er. Die radikalen Palästinenserorganisationen DFLP und PFLP kritisierten den Beschluss des Palästinensischen Zentralrats, erst Mitte November über die Staatsgründung zu beraten.

Das Gremium der Palästinenser hatte am Sonntag nach zweitägigen Beratungen erklärt, am 15. November erneut über die Staatsgründung beraten zu wollen, um jetzt die laufenden Gespräche nicht zu gefährden. Israel, die USA und auch europäische Staaten hatten Arafat vor der einseitigen Ausrufung eines Staates gewarnt. Ursprünglich war von Arafat der 13. September für die Staatsgründung vorgesehen. Denn bis zu diesem Termin sollte einer früheren Vereinbarung zufolge das Friedensabkommen unterschriftsreif sein. Nun haben sich beide Seiten noch einmal zwei Monate Zeit eingeräumt. Wichtigste Fragen sind die nach dem Status von Jerusalem, das beide Seiten als Hauptstadt beanspruchen, und die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge.

Der Chef der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas, Najef Hawatmeh, und der Chef der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Maher el Taher, sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag in getrennten Interviews, Israel und die USA würden die Zeit nutzen, um Arafat mehr Zugeständnisse abzuringen. Hawatmeh sagte, Israel wolle die Gründung eines unbewaffneten Palästinenser-Staates, der nicht das Recht habe, Verteidigungsbündnisse mit seinen arabischen Nachbarn zu schließen. Zudem sei das Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf Heimkehr gestrichen. Seine Partei hatte ebenso wie die PFLP gegen den Beschluss des Zentralrats gestimmt. "Wir glauben, dass keine Lösung, die dem palästinensischen Volk aufgezwungen wird, zu einem ausgeglichenen und stabilen Frieden im Nahen Osten führen wird", sagte Hawatmeh. Er forderte einen arabischen Sondergipfel, um "die arabischen und palästinensischen Rechte zu retten, bevor es zu spät ist".

Russland lobte unterdessen den Beschluss des Palästinenserrats. Der russische Sondergesandte für Nahost-Verhandlungen und Vizeaußenminister Wassili Sredin erklärte am Montag: "Die Palästinenser-Führung versteht die Gegebenheiten sehr gut und vertritt weiter eine Linie des politischen Dialogs." Dieses Bekenntnis zu weiteren Gesprächen mit Israel sei besonders wichtig, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax in Moskau.

Mit einer Studie über die Ansichten von israelischen Jugendlichen sorgt die Hebräische Universität in Jerusalem und die Bir Zeit Universität bei Ramallah für Aufsehen. Unter 5000 jüdischen und arabischen Schülern wurde ein "Hass-Index" ermittelt. Demnach hassen 63 Prozent der Schüler aus Elternhäusern orientalischer Herkunft die "Araber" und 44 Prozent von ihnen die links gerichtete "Frieden Jetzt"-Bewegung. Knapp die Hälfte der Kinder europäischer Herkunft hassen die Siedler. Mit 50 Prozent folgen bei den europäischen Jugendlichen die Araber und mit 47 die ultraorthodoxen Juden. Der frühere Regierungschef Netanjahu ist mit 47 Prozent der meistgehasste Politiker vor Premier Barak (27 Prozent). Bei arabischen Schülern in den palästinensischen Gebieten stehen die israelischen Siedler und die ultraorthodoxen Juden mit 85 und 73 Prozent ganz oben auf dem Hass-Index.

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