Friedensnobelpreis an die Europäische Union : Ach, Europa! Versuch einer Hymne
13.10.2012 00:00 UhrEuropa, das Wort, wie eine Verheißung. Voll tönendes „Eu“, rollend das „r“, und das mit dem Opa, das vergessen wir für heute, denn heute wird gefeiert: der Friedensnobelpreis!
Was hat sich nicht alles geändert. Wie haben wir uns geändert. Heute gehen Menschen als Abgeordnete nach Europa, die noch etwas verändern wollen, Junge, die politische Großtaten anstreben und dafür das richtige Forum.
Es waren auch früher schon solche dabei, die ihre Berufung in Europa sahen, ehe sie die Bundespolitik rief, aber seltener als jetzt. Die Bundespolitik, die übrigens eine Niederung für manche wird, nur ein kurzer Aufschwung, weil doch die eigentlichen Entscheidungen, die über die Nation hinaus, in europäischen Gefilden getroffen werden.
Aber zurück zur Verheißung, dem Wort, das so klingt – wenn man es nur recht versteht – wie das Sinnbild, die schöne Frau auf dem Rücken des Stiers. Ein griechisches Bild, das daran erinnert, was Europa seinen Sinn gab. Und gibt: Erst waren es die alten Griechen mit ihrer Vorstellung vom Zusammenleben, einer Form von Moderne im Denken, die irgendwie nie zu vergehen scheint; heute sind es die jüngeren Griechen, die mit ihrem Tun und Sein eine derartige Herausforderung geworden sind, dass Europa an ihnen seine Vorstellung vom Zusammenleben in Zukunft modernisieren muss. Das kann man auch, wenn man will wohlgemerkt, als Glücksfall ansehen: als die erzwungende Selbstbesinnung.
Der Staatenbund, wie er als Völkerrechtssubjekt heißt, um seine Form besser fassen zu können – also der Staatenbund als neue Polis, so kann man sagen. Eine Polis mit 4 324 782 Millionen Quadratkilometern Land, 502,5 Millionen Einwohnern, einer Bevölkerungsgsdichte von 116 Einwohnern pro Quadratkilomter. Die in Frieden leben! Grenzenlos. Mit dem Europäischen Rat, dem Rat der Europäischen Union, dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank, dem Gerichtshof der Europäischen Union und dem Europäischen Rechnungshof, verteilt auf Brüssel, Straßburg und Luxemburg, mit Institutionen, die allesamt nur wirken, als wäre hier etwas aus den Fugen geraten, als gäbe es zu viele davon.
Aber nein, das ist nicht der Fall. Jede und jedes lässt sich erklären, selbst der Unterschied zwischen Europäischem Rat mit seinen „Gipfeltreffen“ der Staats- und Regierungschefs und dem Rat der Europäischen Union, auch Ministerrat genannt, der sich – je nach Politikfeld – aus den jeweiligen Fachministern der nationalen Regierungen der Mitgliedstaaten zusammensetzt. So schwierig ist das alles nicht für den, der den Sinn verstehen will. Und Brüssel ist der Mittelpunkt, so wie es in der Polis die Agora war, der zentrale Versammlungsplatz einer Stadt, die zugleich die wichtige gesellschaftliche Institution wurde, ein Ort für das Herausbilden einer gemeinsamen Identität, über Feste, die gefeiert wurden, und über Volksversammlungen. So, wie es damals zum geordneten Zusammensein in einer Gemeinschaft kam – so funktioniert das auch heute. Im Grundsatz. Dennoch ist eine Selbstbesinnung dringend notwendig. Dafür kommt der Preis zur rechten Zeit










































