Friedensnobelpreis : Obama: Demütig und überrascht

Das Nobelkomitee hat US-Präsident Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis 2009 ausgezeichnet. Obama wird für seinen Einsatz zur "Stärkung der internationalen Diplomatie" geehrt. In einem Statement zeigte sich Obama sehr überrascht. Dies sei "eine Auszeichnung für alle Amerikaner", die er "demütig" entgegennehme.

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Der Preisträger: Obama bei seinem Statement.Foto: AFP

OsloDas Nobelpreiskomitee hob vor allem Obamas Vision einer Welt ohne Atomwaffen hervor. Fast neun Monate nach dem Amtsantritt erfährt der 48-jährige Obama mit der Verleihung eine beispiellose Ehrung. Letztlich würdigt das Komitee den Bruch Obamas mit der Politik seines Vorgängers George W. Bush.

Um ehrlich zu sein, sagte Obama in seiner kurzen Rede in Washington, glaube er nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten. Er betrachte den Preis nicht als eine Bestätigung für Erreichtes, sondern als eine Herausforderung, erklärte der Präsident.

Hohe Repräsentanten der deutschen Politik begrüßten die Vergabe an Obama. Bundespräsident Horst Köhler gratulierte „von Herzen“ und würdigte Obamas Engagement für den Frieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem großen Tag für Obama und die Demokratie. Einhellig positiv zur Osloer Preisvergabe am Freitag äußerten sich auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie weitere Politiker von CDU, FDP und Grünen.

Die oppositionellen Republikaner in den USA kritisieren die Vergabe des Friedensnobelpreises an Obama. Die Amerikaner fragten sich, „was hat Obama tatsächlich erreicht?“, meinte der Parteivorsitzende Michael Steele. Die Entscheidung sei unglücklicherweise Folge von Obamas Strahlkraft als Politstar, meine Steele laut US-Medien. Von den Amerikanern werde Obama keinen Preis erhalten, sagte er etwa mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit in den USA.

Das Nobelpreis-Komitee zitierte in der Würdigung den ersten farbigen Präsidenten der USA mit dessen eigenem Anspruch. „Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen übernehmen“, hatte Obama im September bei seinem ersten Auftritt vor den Vereinten Nationen gesagt und bekannt: „Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir zugeben, dass wir dieser Verantwortung nicht nachgekommen sind.“

Ausdrücklich hob das Komitee den Geist und den Willen der neuen US-Politik hervor. „Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen“, stellte es fest.

Friedensnobelpreis: Die Preisträger der vergangenen Jahre
Das "Nationale Dialogquartett" aus Tunesien hat den Friedensnobelpreis 2015 bekommen. Die Präsidentin des Arbeitgeberverbands, Ouided Bouchamaoui (von links), der Generalsekretär des größten Gewerkschaftsverbands, Houcine Abassi, der Präsident der tunesischen Menschenrechtsliga, Abdessattar Ben Moussa und der Chef des Anwaltsvereins, Mohamed Fadhel Mahmoud haben mit ihrem Dialogprozess das Abgleiten Tunesiens in einen Bürgerkrieg zwischen Säkularen und Islamisten verhindert.Weitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: Anis Mili/Reuters
09.10.2015 23:53Das "Nationale Dialogquartett" aus Tunesien hat den Friedensnobelpreis 2015 bekommen. Die Präsidentin des Arbeitgeberverbands,...


Der Vorsitzende des Komitees, Thorbjörn Jagland, verteidigte die Entscheidung: „Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht. Nämlich, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der im vorausgegangenen Jahr am meisten für internationale Verbrüderung und Abrüstung sowie die Förderung von Kooperation und Dialog getan hat.“

Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und an den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen.

Obama hatte sich umgehend nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres um die politischen Brandherde rund um den Globus gekümmert. Er setzte Zeichen der Entspannung und des Ausgleichs und wurde zum Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt. Er ordnete den amerikanischen Truppenabzug aus Irak an. Er bot den nach der Atombombe strebenden Iran und Nordkorea direkte Gespräche an.

An Russland sendete Obama Signale der Entspannung und verkündete schließlich den Verzicht auf das geplante globale Raketenschild, von dem sich Russland bedroht gefühlt hatte. Inzwischen verhandeln beide Länder wieder über den Abbau ihrer Nuklearwaffen. Dieser Initiative schließen sich auch andere Atommächte an.

Zwei besondere Höhepunkte in Obamas ersten Monaten waren die Reden in Prag und Kairo. In Prag formulierte Obama am 5. April die Vision einer atomwaffenfreien Welt. In Kairo reichte der US-Präsident der islamischen Welt die Hand zum Frieden. Der Aufruf zur Versöhnung wurde in der muslimischen Welt mit Beifall und Respekt bedacht.

Schon bei seiner Vereidigung am 20. Januar in Washington hatte er „eine neue Ära“ von Verantwortung und Frieden gefordert. In der Begründung hieß es auch weiter: „Durch Obamas Initiativen spielen die USA jetzt eine konstruktivere Rolle zur Bewältigung der enormen Klima-Herausforderungen, mit denen die Welt konfrontiert ist.“

Der Preis ist mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert. (smz/dpa) 

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