Friedensnobelpreis : Preisverleihung an Obama war im Nobelkomitee umstritten

Das Nobelkomitee in Oslo ist nach der Bekanntgabe der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an US-Präsidenten Barack Obama ins Gerede gekommen.

André Anwar

Stockholm -  Erst nach heftigem, internen Streit sollen sich die Preisrichter darauf geeinigt haben, den erst seit Januar amtierenden US-Präsidenten mit dem diesjährigen Preis auszuzeichnen. Dies enthüllte die auflagenstärkste norwegische Zeitung „Verdens Gang“ unter Berufung auf mehrere Quellen im Umkreis der Jury. Demnach sollen drei der insgesamt fünf Jurymitglieder lange Zeit gegen die Entscheidung gewesen sein, auch wenn sie letztlich einstimmig getroffen wurde.

Normalerweise hütet die Nobelpreisjury Interna wie den eigenen Augapfel. Ausgewählte Dokumente werden erst 50 Jahre nach einer Preisbekanntgabe veröffentlicht. Dass empfindliche Einzelheiten in diesem Jahr so kurz nach der Bekanntgabe detailliert in die Presse wandern, ist einmalig und deutet auf ein tiefes Zerwürfnis in der Jury hin. Denn es wird davon ausgegangen, dass Mitglieder die Informationen bewusst an die Journalisten weitergeleitet haben.

Die fünf Plätze in der Nobelpreisjury werden nach den Machtverhältnissen im norwegischen Parlament unter den Parteien aufgeteilt. Laut „Verdens Gang“ war der neue Kommissionsvorsitzende und sozialdemokratische Ex-Ministerpräsident Thorbjørn Jagland treibende Kraft hinter der Verleihung an Obama. Der entspreche den Vorgaben Alfred Nobels wie kaum ein Preisträger vor ihm, argumentierte er. Dabei betonte Jagland vor allem dessen Versöhnungsbestreben mit der muslimischen Welt als auch sein Engagement für atomare Abrüstung.

Doch im Preiskomitee stieß der Vorschlag auf wenig Begeisterung. Nur Jaglands Parteigenosse Sissel Roenbeck unterstützte ihn. Die Ex-Parteichefin der Konservativen Kaci Kullman Five und Inger-Marie Ytterhorn von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei hielten die Verleihung für verfrüht. Man solle warten, bis Obama Ergebnisse liefert. Denn ob er die an ihn gerichteten Erwartungen einhalten könne, sei ungewiss.Die Sozialistin Agot Valle wiederum wollte Obama den Nobelpreis wegen des Krieges in Afghanistan nicht geben. Sie soll sich aber letztlich wegen dessen Resolution für den Abbau der Atomwaffen im UN-Sicherheitsrat umentschieden haben, womit die Mehrheit im Komitee gesichert war, der sich die beiden Mitglieder der Rechtsparteien dann anschlossen. André Anwar

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