Politik : Friedenstruppe sichert Massengräber

KACANIK (rtr). Die Kosovo-Friedenstruppe KFOR hat am Montag drei Massengräber im südlichen Kosovo für Ermittlungen gesichert. Ein Sprecher des britischen Militärs erklärte, die Gräber bei dem Ort Kacanik seien zunächst bis zur Ankunft von Ermittlern des UN-Kriegsverbrechertribunals abgesperrt worden. In den Gräbern sollen sich 170 Leichen befinden. Die Einwohner des Ortes berichteten, serbische paramilitärische Einheiten hätten im April Massaker in drei Dörfern unweit von Kacanik verübt. Dabei seien 91 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein drei Monate altes Baby. Die Menschen seien mit Gewehrkolben erschlagen oder mit Handgranaten getötet worden. Einige seien erschossen worden.

"Es war ein zweitägiger Alptraum", sagte eine Frau, die nach eigenen Angaben eines der Massaker im Dorf Stagov überlebte. Ein Bewohner des Dorfes Kothmince, wo nach Augenzeugenberichten 27 Menschen getötet wurden, erklärte, die Leichen seien an andere Orten transportiert und dort verscharrt worden, um so von den Verbrechen abzulenken.

Der 30jährige Idriz Govori hat das Massaker wie durch ein Wunder überlebt. Ihn hatte die Kugel, die ihm galt, knapp verfehlt. Am Boden liegend, wurde er für tot gehalten. Die Chronik dieses traumatischen Tages hat sich ihm in die Erinnerung gebrannt. "Alle Männer mußten auf der Wiese neben dem Friedhof antreten", erzählt er.

Die Paramilitärs mit den Tschetnik-Mützen nahmen den 40 Männern unter Todesdrohungen Geld, Wertsachen und Autoschlüssel ab und griffen dann die jüngeren heraus, insgesamt 13. Sie mußten sich an eine Wand stellen, wo sie erschossen wurden. Govori überlebte als einziger, weil die Kugel ihn nicht traf und er sich danach tot stellen konnte.

Reporter berichteten, sie hätten auf dem Friedhof von Kacanik zwei Reihen Gräber entdeckt, die sehr frisch zu sein schienen. Aus britischen Armeekreisen war zuvor verlautet, Kosovo-Albaner hätten in der Nähe des Friedhofs von Kacanik Leichen aus drei Erdlöchern geborgen und sie auf dem Friedhof erneut beigesetzt.

Sollte sich der Fund bestätigen, würde es sich um die erste Entdeckung von Massengräbern nach dem Einrücken von KFOR-Soldaten am Wochenende handeln. Die internationale Kosovo-Friedenstruppe soll die Rückkehr Hunderttausender albanisch-stämmiger Flüchtlinge in die südserbische Provinz sichern.

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