Politik : Friedman fordert "Signal" von Kanzler und Industrie

Michel Friedman hat Bundeskanzler Schröder und die deutsche Wirtschaft aufgefordert, endlich ein "Signal" für einen Kompromiss bei der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern im Sinne der Opfer zu geben. Vor dem für den späten Montagabend im Berliner Hotel "Four Seasons" geplanten Spitzengespräch zwischen Vertretern der Unternehmen und dem Kanzler, sagte das Präsidiumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland dem Tagesspiegel: "Es kann nicht unendlich so weitergehen, dass alle ihren guten Willen betonen, es aber kein Ergebnis gibt." Diese Haltung ärgere ihn. Denn der wichtigste Faktor in den Verhandlungen sei die Zeit, die für die Opfer abläuft.

Die Firmen sollten von alleine aktiv werden und die legitimen Ansprüche der Opfer erfüllen. "Wir sprechen hier nicht von Almosen, sondern von Lohn für Sklavenarbeit. Hier geht es nicht um Druck-Machen, sondern um das Verstehen und das Anerkennen, dass man auf der Täterseite stand." Auch Schröder sei als Regierungschef in der Pflicht, weil viele Zwangsarbeiter in den Kommunen und der Landwirtschaft ausgebeutet wurden. "Die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter ist also nicht allein eine Privatsache der Industrie", sagte Friedman.

Die Vorstellungen über die Höhe des Entschädigungsfonds liegen immer noch weit auseinander. Während amerikanische Anwälte als Vertreter der Opfer mindestens 20 Milliarden Dollar fordern, wollen die 16 am geplanten Fonds beteiligten Unternehmen unter 1,7 Milliarden Dollar bleiben. Der Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Gibowski, sagte auf Anfrage: "Wir wollen eine Lösung. Sollte es aber bei den unsinnigen Forderungen bleiben, müssen wir nach anderen Lösungen suchen." Mit dem Kanzler wolle man über das gesamte Problem der Entschädigung sprechen, auch über das Geld.

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