Politik : „Friedman muss CDU-Mitgliedschaft ruhen lassen“

Hessens Junge Union fordert TV-Moderator auf, sich zu den Drogenvorwürfen zu äußern / Berliner Justiz: Kein Streit mit Frankfurt

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Wiesbaden/Berlin (csl/wvb/Ch.B.). Die Junge Union Hessen hat Michel Friedman aufgefordert, seine Mitgliedschaft in der CDU bis zur endgültigen Klärung der DrogenVorwürfe gegen ihn ruhen zu lassen. Friedman solle sich möglichst bald zu den Vorwürfen äußern, um weiteren Verdächtigungen und Gerüchten entgegenzutreten, empfiehlt Peter Tauber, der JU-Landesvorsitzende, dem prominenten CDU-Mitglied in einer Pressemitteilung und fügt hinzu: „Sollten sich die Vorwürfe des Drogenbesitzes bestätigen, hat er in unserer Partei nichts mehr zu suchen.“ Gerade von Michel Friedman, der als Journalist Politiker mit hohen moralischen Anforderungen konfrontiere, erwarte er, dass er diese Maßstäbe auch an sich selbst anlege, so der JU-Landesvorsitzende.

Für den Fortgang der Ermittlungen gegen den Frankfurter Anwalt und TV-Moderator ist die Berliner Staatsanwaltschaft zuständig. Die Ermittlungen gegen Friedman sind Teil eines Verfahrens gegen 13 Polen und Ukrainer, die Frauen aus den GUS-Staaten nach Berlin geschleust und als Prostituierte an Prominente vermittelt haben sollen. Bei keinem anderen Beschuldigten stünden Betäubungsmitteldelikte im Vordergrund der Ermittlungen, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Björn Retzlaff. Im Zuge der Ermittlungen hatte die Berliner Staatsanwaltschaft vor Wochen mehrere Wohnungen in der Stadt durchsucht. Die mutmaßlichen Menschenschmuggler hatten in diesen Wohnungen zehn Frauen untergebracht. Drei Frauen soll Friedman bei Treffen in einem Berliner Hotel Kokain angeboten haben, was sie abgelehnt hätten. Er selbst soll laut Aussage der Frauen Kokain genommen haben. Friedman schweigt bisher zu allen Vorwürfen.

Bekannt geworden war das Ermittlungsverfahren, als am Mittwoch die Berliner Staatsanwaltschaft Friedmans Frankfurter Wohnung und sein Büro durchsucht hatte. Dabei fand man drei „szenetypische Päckchen“, die Reste von Kokain enthielten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wurde über die Durchsuchung erst später informiert. Dass es deshalb Streit zwischen dem Chef der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Hubert Harth, und dem Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft, Hansjürgen Karge, gegeben habe, weisen Sprecher beider Behörden zurück. Aus Versehen sei die Frankfurter Staatsanwaltschaft nicht rechtzeitig informiert worden, sagte Retzlaff. Dafür habe sich Karge entschuldigt. Die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, sprach von einem unaufgeregten Brief, den Harth an die Berliner Staatsanwaltschaft geschrieben habe, um an die „Gepflogenheiten“ zu erinnern, dass sich Staatsanwälte informieren, wenn eine Behörde im Amtsbereich der anderen etwa Durchsuchungen vornimmt. In der Frankfurter Staatsanwaltschaft weiß man auch nichts davon, dass Friedmans Name vor zwei Jahren in einem Verfahren gegen einen Dealer gefallen sein soll. Berliner Ermittlerkreise halten einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung allerdings für zutreffend.

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