Friedrich Merz : Reformer, Rivale und politischer Dickkopf

Vom großen Talent zum nörgelnden Hinterbänkler: Friedrich Merz hat seinen Rückzug aus der Politik bekannt gegeben.

Berlin - Friedrich Merz galt einst als einer der großen Hoffnungsträger in der CDU. Der Jurist, glänzende Rhetoriker und ausgewiesene Finanzexperte hatte sich aber schon vor geraumer Zeit aus der ersten Reihe der Politik zurückgezogen: Er war nicht mehr Mitglied im CDU-Präsidium, auch in der Bundestagsfraktion der Union, die er von 2000 bis 2002 führte, übernahm er keine Ämter mehr.

Beim wichtigsten Projekt der großen Koalition in den vergangenen Monaten, der Gesundheitsreform, fand Merz keine gemeinsame Linie mehr mit seiner Partei: Als Berichterstatter der Unionsfraktion im Rechtsausschuss des Bundestages lehnte er das Vorhaben wegen erheblicher verfassungsrechtlicher Bedenken angesichts der Zukunft der privaten Krankenkassen strikt ab.

Mehrere Nebentätigkeiten

Merz übernahm in den vergangenen Jahren ein Reihe von Tätigkeiten neben seinem Bundestagsmandat - etwa als Mitglied der international tätigen Anwalts-Sozietät Mayer Brown Rowe & Maw, als Beiratsvorsitzender für den Versicherungskonzern Axa und Aufsichtsrat bei der Deutschen Börse AG. Zusammen mit anderen Abgeordneten klagte er vor dem Verfassungsgericht gegen die Pflicht zur Veröffentlichung dieser Tätigkeiten.

Der am 11. November 1955 im sauerländischen Brilon geborene Merz hatte sich in der CDU als "Wertkonservativer" positioniert. 1985 wurde der mit einer Juristin verheiratete 51-Jährige zunächst Richter und wechselte kurz danach in den Beruf des Rechtsanwalts. 1994 zog Merz für den Hochsauerland-Wahlkreis in den Bundestag ein.

Gekrönt wurde seine Laufbahn am 29. Februar 2000: Als Nachfolger des wegen der CDU-Spendenaffäre ins Straucheln geratenen Wolfgang Schäuble wurde er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Rivalitäten zwischen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel mündeten in einen Machtkampf um den Fraktionsvorsitz, den Merz verlor. In Erinnerung bleibt sein Steuerkonzept, das mit drei Stufen auf einem Bierdeckel erklärbar sein sollte. (tso/dpa)

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