Politik : Friedrich Merz will Urwahl - Die Partei nicht

Robert Birnbaum

"Wir können uns auch allerhand vorstellen", sagt Michael Glos. Der CSU-Landesgruppenchef ist sauer über den neuesten Vorstoß des Unionsfraktionschefs Friedrich Merz in Sachen Kanzlerkandidatur. Das sei Merzens "Privatmeinung", obendrein "vollkommen zur Unzeit" geäußert, murrt der Bayer. Aus München kommt zur ein ähnliches Echo: Merz solle sich nicht mit "zweitrangigen Themen" beschäftigen, die zur Zeit nicht anstünden, rügt CSU-Generalsekretär Thomas Goppel.

Was ist geschehen? Merz hat vor einer Woche der "Bild"-Zeitung ein Interview gegeben. Am Dienstag druckt das Blatt die ersten Sätze ab: Bei der Kür des Kanzlerkandidaten der CDU/CSU für 2002 solle die Basis mitentscheiden. Eine Mitgliederbefragung sei eine Möglichkeit, er könne sich aber auch "sehr gut vorstellen, dass wir ... die positive Basiserfahrung mit den Regionalkonferenzen wiederholen". Jenen Basistreffen, die eben erst Angela Merkel zur Königin der Herzen und somit zur Chefin der CDU gekürt haben. Das kann sich die CSU nun gar nicht vorstellen: Womöglich ein Schaulaufen Merkel gegen Stoiber? Wer 2002 gegen Kanzler Gerhard Schröder antritt, werde im "verantwortlichen Kreis" der Schwesterparteien CDU und CSU festgelegt, sagte Glos.

Aber auch CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz mochte Merz nicht beispringen. Polenz hält zwar viel davon, basisnahe Verfahren wie die Urwahl von Kandidaten durch die Mitglieder oder auch Mitgliederbefragungen per Internet in der CDU zur Regel zu machen. Insofern nennt er Merzens "Grundgedanken" richtig. Aber er will das schon aus praktischen Erwägungen auf die unteren Ebenen beschränkt sehen. Vom Ratskandidaten bis zum Wahlkreis-Abgeordneten für die Bundestagswahl mag die direkte Demokratie funktionieren. Doch schon um die Landeslisten zu bestücken, fehle es an genügend großen Sälen. Und über das Verfahren zur Kür des Kanzlerkandidaten habe er sich, ehrlich gesagt, noch nicht den Kopf zerbrochen. Was nur eine freundlichere Formulierung ist für: Hier führt einer eine Debatte zur Unzeit.

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