Politik : Fritz, der Chef

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Das beliebteste Vorurteil gegenüber den Grünen lautet bekanntlich so: Unter der Last der Regierung ist die ehemalige Protestpartei glattgeschliffen worden wie ein Kiesel und längst so langweilig wie jede andere Partei in Deutschland auch. Stimmt aber gar nicht. Oder würde etwa die Union Plakate mit der Aufschrift „Edmund kommt“ kleben, wenn es um ihren Kanzlerkandidaten geht? Oder „Angela kommt“, wenn die Parteichefin spricht? Oder „Lothar kommt“, wenn der neue Wirtschaftsspezialist und Ost-Beauftragte der Union, Lothar Späth auftritt?

Sehen Sie, das ist ganz ausgeschlossen. Die Grünen aber versprechen schlicht „Joschka kommt“ und „Claudia kommt“, wenn Außenminister Fischer und Parteichefin Roth gemeint sind. Und dieser Umstand hat nun Parteichef Fritz Kuhn in Erklärungsnot gebracht. Denn auf den Postern, mit denen Kreisverbände zu Promi-Auftritten im Wahlkampf laden, fällt die Werbung für Kuhn deutlich distanzierter aus als die für den Außenminister und die Parteichefin. Auf den Plakaten, die in der Parteizentrale der Grünen aushängen, heißt es kühl: „Fritz Kuhn kommt".

Der Parteichef selbst hat entschieden, dass der ganze n gedruckt wird - entgegen dem Wunsch der Werbeagentur. Bleibt die Frage: Was ist mit dem Rest des Wahlkampf-Spitzenteams? Die anderen vier Grünen-Promis wollen schließlich ebenfalls beworben sein. Heißt es da auch salopp „Renate kommt“ (Verbraucherministerin Künast), „Jürgen kommt“ (Umweltminister Trittin), „Kerstin kommt“ (Fraktionschefin Müller) und „Rezzo kommt“ (Fraktionschef Schlauch)? Wie viel Nachname muss sein? Aber die Entscheidung zwischen Knappheit und peinlicher Anbiederung ist ohnehin eine Scheinalternative.

Deshalb hier jetzt ein Vorschlag, wie sich der Anspruch auf Bundesministerämter und die Grünen-typische Kumpeligkeit gegenüber dem eigenen Spitzenpersonal aufs Trefflichste vereinen lassen: „Ministerin Renate kommt“ und „Minister Jürgen kommt". Klingt irgendwie urgrün, unverwechselbar eigenartig und auch erfolgversprechend. Das werden dann ganz bestimmt Wahlversammlungen, die keiner jemals vergisst, der dabeisein durfte.Hans Monath

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