Politik : Fritz Hähle als CDU-Chef von Sachsen nur knapp wiedergewählt

Ralf Hübner

Erst ging das Licht aus, dann nahm er mit bewegter Stimme die Wahl an. Diese Gefühlsregung bei Fritz Hähle, Sachsens altem und neuem CDU-Landesvorsitzenden, war diesmal allerdings Ausdruck von Betroffenheit. Zwar hatten ihn die Delegierten des Landesparteitages soeben in seinem Amt bestätigt. Als Zahl stand da an der Projektionswand, mit Filzschreiber hingekritzelt: 60,7 Prozent. Und selbst dieses magere Ergebnis war noch geschönt. Unter Einbeziehung der Stimmenthaltungen, wie allgemein üblich, waren sogar nur 55,7 Prozent der Delegierten für Hähle. Schlechter kann es kaum kommen.

Der Kampf um die Nachfolge von Kurt Biedenkopf (CDU) in Sachsens CDU ist eröffnet und gleicht einem Ausscheidungsrennen. Der Weg bis 2004 ist noch lang, Fritz Hähle aber liegt schon jetzt weit zurück. Nach dem Erfolg bei der Landtagswahl vor sieben Wochen ist dieser Ausgang überraschend. Auslösendes Moment auf dem Parteitag war der fahrige Bericht des Vorsitzenden - Erinnerungen an den Wahlkampf geschmückt mit Erinnerungsbildern. Das sorgte für Kopfschütteln und Unverständnis. Seine zentrale Aussage, dass sich die CDU künftig mehr um der sozialen Gerechtigkeit widmen müsse, ging unter. Da half es wenig, dass Kurt Biedenkopf bei seinen Ausführungen Hähle mehrfach lobend erwähnte. "Vergessen sie das einfach", kommentierte Hähle später seinen Beitrag. In der Debatte gab es unverhohlene Kritik. Das ist selten in der sächsischen CDU, zumal nach einem solchen Wahlerfolg. Die CDU müsse die Leute auch außerhalb von Wahlkämpfen ernst nehmen, klagte eine 22-jährige Delegierte aus Leipzig. Hähle habe einen Lichtbildervortrag gehalten statt Führungsqualitäten zu beweisen, ereiferte sich der Leipziger Landtagsabgeordnete Volker Schimpff. Statt eine Analyse zu liefern, habe der Vorsitzende nur Anekdoten erzählt. Für Hähle, so scheint es, ging an diesem Tag auch politisch das Licht aus. "Warum nur", so wurde gefragt, "warum hat er die Wahl angenommen?" Dieser letzte Mangel an Selbstachtung war nicht gut, das hat Kredit gekostet.

Zu den Gewinnern gehört Sachsens Finanzminister Georg Milbradt. Mit 74,7 Prozent erzielte er bei der Wahl der drei Stellvertreter das beste Ergebnis. Neben ihm werden die Gleichstellungsministerin Christine Weber und Ex-Innenminister Heinz Eggert im Präsidium Platz nehmen. Offiziell wird abgewiegelt: Der Wahlausgang sei noch keine Vorentscheidung für eine Biedenkopf-Nachfolge, heißt es. Die Parteibasis sieht das offensichtlich anders. Es sei nichts mehr wie vorher. An "Milli", wie Milbradt von seinen Parteifreunden genannt wird, führe jetzt kein Weg mehr vorbei.

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