Politik : Front im Inneren

Israel bereitet sich auf irakische Raketenangriffe vor – doch die größte Gefahr geht von Anschlägen aus

Charles A.Landsmann[Tel Aviv]

Von Charles A.Landsmann,

Tel Aviv

Ende der Panikmache in Israel: Verteidigungsminister Schaul Mofaz hat für Freitag die Stadt- und Gemeindeoberhäupter vorgeladen, um sie aufzufordern, ihre Panikmache einzustellen – einige von ihnen haben dies nun versprochen. In den letzten Tagen hatten sich die Rathäuser und Medien mit Mitteilungen über Kriegsvorbereitungen auf dem zivilen städtischen Sektor gegenseitig überboten.

Höhepunkt waren die Veröffentlichungen detaillierter Evakuierungspläne: Die Einwohner der Städte im mutmaßlichen Zielgebiet irakischer Raketenangriffe im Großraum Tel Aviv – nicht aber der Metropole selbst – sollen gemäß diesen Plänen in Ortschaften an der nördlichen und südlichen Peripherie evakuiert werden. Zuvor hatten einige Bürgermeister gar Gelände abstecken lassen für Notfriedhöfe mit Massengräbern für Opfer eventueller Giftgasattacken. Die israelischen Fluggesellschaften planen, nach dem ersten Raketenangriff Luftbrücken zu errichten nach Eilat am Roten Meer sowie vor allem zu Zypern und den griechischen Inseln.

Angeheizt hatte die Kriegsangst und die Furcht vor irakischen Bio- und Chemie-Waffen Ministerpräsident Ariel Scharon. Er konnte davon ausgehen, dass sich die Wähler angesichts der Gefahr eines möglichen Krieges hinter ihn als Regierungschef stellen werden. Allerdings hatte er meist auch hinzugefügt, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Attacken klein bis minimal sei, was jedoch überhört wurde.

Tatsächlich rechnen Verteidigungsexperten kaum mit einem erfolgreichen irakischen Angriff mit veralteten Scud-Raketen – von Flugzeugattacken ganz zu schweigen. Eher noch befürchtet man Terroranschläge, womöglich gar mit Bio- oder Chemie-Bomben. Solche Angriffe werden nicht so sehr palästinensischen Extremisten zugetraut, sondern eher Ablegern der Al Qaida oder der vom Libanon aus operierenden Hisbollah. Gegen die befürchtete Terrorwelle im Landesinnern aber nützen alle Evakuierungspläne, Luftschutzbunker und angeordneten Schutzmaßnahmen nichts.

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