Frontex-Chef Fabrice Leggeri : Migranten finden neue Wege - über Bulgarien

Der Chef der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex gibt keine Entwarnung bei den Flüchtlingsströmen - im Gegenteil. Und er fordert eine Stärkung des EU-Grenzschutzes.

Bulgarische Grenzpolizisten patroullieren bei Malko Tarnowo an der mit hohen Drahtzäunen gesicherten Grenze zur Türkei.
Bulgarische Grenzpolizisten patroullieren bei Malko Tarnowo an der mit hohen Drahtzäunen gesicherten Grenze zur Türkei.Foto: Nikolai Doichinow/AFP

Frontex-Chef Fabrice Leggeri hält einen erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in Europa für wahrscheinlich. „In Syrien herrscht weiter Krieg, die Terrormiliz ,Islamischer Staat' setzt sich nun auch in Nordafrika fest und noch immer hat die Armut weite Teile der Welt im Griff“, sagte der Franzose der Tageszeitung „Die Welt“. Leggeri sprach sich für eine Stärkung des EU-Grenzschutzes sowie mehr legale Wege für Migranten nach Europa aus.

Angesichts der geschlossenen Balkon-Route fächerten sich die Flüchtlingsströme auf, erklärte der Chef der EU-Grenzschutzbehörde. „Die Migranten und die Schmuggler finden neue Wege. Es kommen mehr Migranten aus Griechenland oder der Türkei nach Bulgarien“, sagte Leggeri. Er forderte mehr Unterstützung für Bulgarien beim Schutz der EU-Außengrenze.

Es sei aber nicht so, dass dort nun ähnliche Zahlen wie auf dem Westbalkan im vergangenen Jahr registriert würden. Im Juli 2016 habe die Behörde etwa 2.160 illegale Grenzübertritte in der westlichen Balkanregion registriert. Leggeri hob die Bedeutung der Grenzschließung durch Mazedonien für das Sinken der Flüchtlingszahl nach Europa hervor. Auch die Türkei arbeite seit dem Start des EU-Türkei-Abkommens gut mit Frontex zusammen.

Angesichts dieser Grenzschließungen sprach sich der Frontex-Chef für mehr legale Möglichkeiten zur Einreise von Flüchtlingen aus. „Grenzschutz und legale Wege nach Europa schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Wenn es legale Wege gibt, sinkt der Druck auf die Außengrenze“, sagte Leggeri.

Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow hatte Ende vergangener Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geklagt, sein Land werde bei der Sicherung der EU-Außengrenze zur Türkei derzeit „praktisch allein“ gelassen. „Ich weiß nicht, wie lange wir dem Migrationsdruck an unserer Grenze noch standhalten können“, sagte er.

Frontex ist für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig und unterstützt die EU-Staaten bei dieser Aufgabe. Zu diesem Zweck dirigiert die Agentur nationale Einsatzkräfte bei der Überwachung der Außengrenzen, etwa um illegale Einwanderung zu verhindern.(epd/dpa)

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