Politik : Früh auf dem Markt: Ein Grüner will OB in Stuttgart werden

Reiner Ruf[Stuttgart]

Es gibt Leute bei den Grünen, Parteichef Reinhard Bütikofer zählt dazu, die halten Boris Palmer für den kommenden Mann im baden-württembergischen Landesverband. Bis Stuttgart hat er es schon geschafft, der 32-jährige Landtagsabgeordnete aus Tübingen, nicht nur ins Parlament, sondern sogar zum OB-Kandidaten in der Landeshauptstadt. Bereits an diesem Donnerstag will ihn der Kreisverband auf den Schild heben – für die Wahl am 10. Oktober.

Palmer begann seine politische Karriere in Tübingen als Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann. Wichtiger: Boris ist der Sohn des im Südwesten bekannten „Remstal-Rebellen“ und Obstbauern Helmut Palmer, des Schreckens der württembergischen Obrigkeit und einstigen Dauerkandidaten bei Bürgermeisterwahlen. Dass man den Mund aufmachen muss, um Äpfel und Birnen zu verkaufen, hat Boris gelernt, als er noch mit seinem politisierenden Vater morgens in der Früh auf den Märkten stand. In der Praxis wirkt sich das dann etwa so aus, dass er sich lautstark Respekt zu verschaffen weiß, wenn er zufällig auf einen Pulk Demonstranten stößt, die sich vor dem Stuttgarter Landtag gegen die von Brüssel verordnete Ausweisung von Naturschutzgebieten wehren. Und irgendwie, erfährt Palmer, seien sowieso die Grünen schuld an dem ganzen Öko-Wahn. Doch der raunzt zurück, man könne nicht grenzenlos Einfamilienhäuser in die Landschaft bauen, „aber ein Reihenhaus ist für Sie ja schon Sozialismus“. Die schwäbischen Bürger-Rebellen sind verdutzt und beeindruckt.

Palmers Start in die OB-Wahl steht allerdings unter keinem besonders günstigen Stern. Er ist der Kandidat der dritten Wahl. Rezzo Schlauch, der vor acht Jahren fast gewonnen hätte, ließ sich lange bitten und sagte dann ab. Fritz Kuhn kokettierte ein wenig, um dann ebenfalls abzuwinken. Worauf die düpierte Kreischefin Brigitte Lösch selbst antreten wollte, aber da machte die Basis nicht mit. Also Palmer. Mit Wolfgang Schuster trifft er auf einen Amtsinhaber, von dem Palmer sagt, er sei der „perfekte Oberstadtdirektor, aber keine Identifikationsfigur“.

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