Politik : Frühere CIA-Agentin verklagt US-Vizepräsident

Plame will Schadenersatz von Cheney / Sie war im Streit um Iraks angebliche Urankäufe enttarnt worden

Christoph von Marschall[Washington]

Valerie Plame, Namensgeberin der Affäre, die zum Rücktritt von Vizepräsident Dick Cheneys Stabschef Lewis Libby führte, hat Cheney auf Schadenersatz verklagt. Ihre Tätigkeit für die CIA wurde 2003 im Streit um Saddams Massenvernichtungswaffen enttarnt. Politische Beobachter sahen darin einen Racheakt Cheneys gegen Plames Ehemann, Botschafter Wilson. Der hatte Präsident Bush in der „New York Times“ vorgeworfen, er verbreite Lügen über angebliche Urankäufe Saddams in Niger, um den Irakkrieg zu begründen. Zwei Jahre lang untersuchte ein Sonderermittler, ob Mitarbeiter Cheneys Journalisten Plames Identität verraten haben. Zwischenzeitlich drohte auch Bushs prominentester Berater, Karl Rove, zu stürzen. Doch er wurde kürzlich entlastet.

Plames Klage eröffnet eine weitere Episode, in der sich Zivilcourage, Geltungssucht, finanzielle Interessen und ein erhebliches Unterhaltungspotenzial vermengen. Plames Ehemann Joseph Wilson nutzt jede Gelegenheit, sich öffentlich in Szene zu setzen. Die Zivilklage kündigte das Paar in einer Pressekonferenz im „National Press Club“ an. Valerie Plame hat die Figur eines Fotomodells: schlank, hoch gewachsen, langes blondiertes Haar. Sie fühlt sich als „hintergangenes“ Opfer einer „rücksichtslosen Regierung“. Sie habe stets darauf vertraut, dass „meine Regierung mich schützt“. Wilson, einige Zentimeter kleiner und einige Jahre älter, lässt sich gern im offenen Cabrio fotografieren. Er stellt die Klage als patriotischen Akt dar, um den Rechtsstaat wiederherzustellen und „unsere gewählten Repräsentanten zur Verantwortung zu ziehen“. Die Aussichten bewerten Juristen als gering, nachdem der Sonderermittler seine Untersuchung ohne Anklagen beendet hat. Wenn das Gericht die Klage überhaupt annehme, könnte eine Folge sein, dass Cheney interne Unterlagen herausgeben muss.

Wilson hat unbestreitbare Verdienste in der Debatte, ob Bush die USA mit falschen Begründungen in den Irakkrieg geführt hat. Aber auch seine Rolle hat verschwörerische Züge. Seine Frau war die treibende Kraft, als die CIA den ehemaligen Afrika-Botschafter 2002 nach Niger schickte, um die Vorwürfe zu prüfen, dass Saddam dort Uran für Bomben kaufen wollte. Er fand keine Belege für die Behauptung. Bush erhob den Saddam- Uran-Vorwurf noch 2003 kurz vor Kriegsbeginn unter Berufung auf britische Quellen. Im Juli 2003 schrieb Wilson in der „New York Times“, Bush lüge.

Nach allem, was man weiß, haben Bush und Cheney bis zu diesem Zeitpunkt weder von Wilsons Afrika-Mission gewusst noch seinen Bericht gekannt. Sie empfanden den Angriff als ungehörige Opposition aus der CIA gegen die Regierung. Der vertrauliche Hinweis an Journalisten auf die Ehe der beiden und Plames Identität sollte Wilsons Auftritt als „Privatfeldzug“ diskreditieren. Die Enttarnung von CIA-Agenten ist jedoch strafbar. Die Ermittlung schadete dem Weißen Haus und verschaffte Wilson noch mehr Publizität.

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