• Früherer niedersächsischer Ministerpräsident: McAllister will für Europaparlament kandidieren

Früherer niedersächsischer Ministerpräsident : McAllister will für Europaparlament kandidieren

Lange wurde gerätselt, was David McAllister nach seiner Schlappe bei der Niedersachsen-Wahl künftig machen würde. Nun steht fest: Der frühere niedersächsische Ministerpräsident will Europaabgeordneter werden.

David McAllister
David McAllisterFoto: dpa

Offiziell will David McAllister es noch nicht sagen. Doch die Gerüchte machten in Hannover schon länger die Runde: 2014 will der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident bei der Europawahl kandidieren und als Spitzenkandidat der Landes-CDU in das Europaparlament einziehen.

McAllister selbst schweigt - und poliert schon mal seine Französischkenntnisse auf. Aus seinem engsten Umfeld ist zu hören, der Deutsch-Schotte habe seine Entscheidung längst getroffen, er schweige nur aus Respekt vor den noch ausstehenden Beschlüssen der CDU-Gremien. Solange müssen sich Journalisten noch mit einem vielsagenden Lächeln zufriedengeben.

Die Zeit des Schweigens soll an diesem Freitag zu Ende gehen. Im rund 500 Kilometer von Brüssel entfernten Wohnort des 42-Jährigen an der Nordsee, der 5000-Seelen-Gemeinde Bad Bederkesa bei Cuxhaven, wollen sich der CDU-Kreisvorstand und der geschäftsführende Bezirksvorstand erstmals mit der Nominierung befassen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird der CDU-Bezirksverbandsvorsitzende Enak Ferlemann seinen Parteifreunden offiziell McAllisters Bereitschaft zur Kandidatur mitteilen. Danach, davon wird in der CDU ausgegangen, dürfte die Sache klar sein: McAllisters Name dürfte am 30. November in Niedersachsen auf Platz eins der Landesliste zur Europawahl stehen. Kampfkandidaturen gegen den beliebten CDU-Landeschef werden nicht erwartet. Der Einzug des 42-Jährigen ins EU-Parlament wäre dann eine sichere Sache.

Die Zeichen für McAllisters Abgang hatten sich seit der Wahlniederlage von CDU und FDP bei der Landtagswahl im Januar immer mehr verdichtet. Statt CDU-Fraktionschef zu werden und Rot-Grün als Oppositionsführer im Landtag herauszufordern, rückte der bisherige Ministerpräsident in die zweite Reihe.

Auf Reden im Parlament verzichtete er seither, einzig als CDU-Landeschef sprach er dann und wann vor der Basis. Insbesondere in den ersten Wochen litt McAllister schweigend, aber sichtbar in seiner neuen Rolle. Das Amt des Regierungschefs, 2010 von Christian Wulff übernommen, hatte ihm viel Spaß gemacht.

Sein neues Ziel blieb länger unklar. Immer wieder hieß es, McAllister könne eventuell bald in Berlin ein Comeback feiern, als Bundesminister oder aber als CDU-Generalsekretär. Angebote von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab es schon vor seiner Wahlniederlage. Merkel hält viel von „ihrem David“, daraus machte sie nie einen Hehl, denn sie weiß um seine Qualitäten: Der 42-Jährige spricht perfektes Englisch (mit schottischem Akzent), mit seiner Eloquenz ist er immer noch ein Hoffnungsträger.

Jetzt soll es das Europaparlament werden. Eingeweihte berichten, er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. McAllister sei nun aber regelrecht von dem Plan begeistert, längst lese er statt der Lokalpresse internationale Zeitungen, schaue französisches Fernsehen, habe sich schon in Brüsseler Mail-Verteiler aufnehmen lassen und studiere Drucksachen des Parlaments. Zudem lernt er fleißig Französisch, neben Englisch die wichtigste EU-Arbeitssprache. Anfang Mai reiste er zu einem Symposium zur Zukunft der EU nach Südspanien.

Auch Merkel sei bereits über die neue Weichenstellung auf McAllisters Karriereleiter informiert, berichten Insider. Sie sei froh, dass der 42-Jährige der Politik und der CDU erhalten bleibe. Denn nach dem schmerzvollen Amtsverlust hatte McAllister auch mit dem Gedanken gespielt, der Politik vollends den Rücken zuzukehren. Doch er wäre nicht der erste, der mit EU-Erfahrung im Gepäck zurück nach Berlin wechselt. (dpa)

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