Politik : Früherer Parlamentschef Chasbulatow soll im Kaukasus vermitteln

Elke Windisch

Nun wird vielleicht doch noch wahr, was Russlands Ex-Parlamentschef Ruslan Chasbulatow selbst in seinen kühnsten Träumen längst abgeschrieben hat - eine Rückkehr in die große Politik. "Wir bitten Sie im Namen Allahs, alle bisher aus Moskau entsandten Politiker, die sich Führer des tschetschenischen Volkes nennen, abzuberufen und uns dafür Ruslan Imranowitsch Chasbulatow zu schicken", heißt es wörtlich in einem Brief an Wladimir Putin. Als Autoren firmieren einflussreiche islamische Geistliche Tschetscheniens - darunter auch der ehemalige Mufti als höchster geistlicher Würdenträger der Republik - sowie Vertreter mehrerer politischer Parteien und gesellschaftlicher Bewegungen Tschetscheniens.

Für die Ernennung Chasbulatows hat sich auch der Rat der Russländischen Muftis ausgesprochen - als russländisch werden Staatsbürger bezeichnet, die ethnisch gesehen Nichtrussen sind. Chasbulatow, der nach Vorstellungen der Geistlichen zunächst kommissarisch Verwaltungschef Tschetscheniens werden soll, hätte ihrer Meinung nach auch bei freien Wahlen gute Karten. Der 58-jährige Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen ist Tschetschene und gehörte anfangs zum engsten Freundeskreis des damaligen Präsidenten Boris Jelzin, überwarf sich mit diesem aber wegen unterschiedlicher Reformvorstellungen. Im Oktober 1993 ließ Jelzin daher das Parlament mit Panzern und schwerer Artillerie auflösen. Chasbulatow saß danach wegen Verdacht auf Hochverrat mehrere Monate ein und wurde im Februar 1994 von der Duma amnestiert. 1998 erklärte das russische Verfassungsgericht die Panzerattacke für grundgesetzwidrig. Seither gilt Chasbulatow als rehabilitiert. Anders als seinen Mitkämpfern trug der Kreml ihm bislang allerdings kein Staatsamt an.

Chasbulatow selbst steht einer Ernennung bisher eher skeptisch gegenüber. "Moskau ist völlig egal, was nach Kriegsende in Tschetschenien passiert. Wenn der Kreml an einer tragfähigen Lösung interessiert wäre, hätte man mich längst in Bemühungen um eine politische Lösung mit einbezogen."

Die Suche des Kremls nach einer Kompromissfigur, die einerseits die Loyalität Tschetscheniens gegenüber Moskau garantiert, deren Autorität jedoch nicht mit der Omnipräsenz russischer Waffen steht und fällt, endete ergebnislos. Weder der selbst ernannte Staatsratsvorsitzende Malik Saidullajew, noch der angeblich direkt von Gott inspirierte Führer der Bewegung Adamallah, Adam Denejew, können in Tschetschenien überzeugende Mehrheiten hinter sich bringen.

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