Politik : Früherer Taliban-Militärchef Mansur Dadullah gefasst

Islamabad/Kabul - Der frühere Militärchef der Taliban, Mansur Dadullah, ist am Montag bei einem Feuergefecht im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan verletzt und festgenommen worden. Ein pakistanischer Offizier sagte, neben Mansur Dadullah seien fünf weitere Rebellen verletzt worden und in Gefangenschaft geraten. Die Männer seien von Afghanistan aus in die südwestpakistanische Provinz Belutschistan eingedrungen und im Dorf Qilla Saifullah entdeckt worden.

Mansur Dadullah war im Mai vergangenen Jahres seinem als äußerst brutal bekannten älteren Bruder Mullah Dadullah auf dem Posten des Militärchefs nachgefolgt, nachdem der gefürchtete einbeinige Kommandeur getötet worden war. In einer Mitteilung der Taliban hatte es Ende Dezember allerdings geheißen, Taliban-Chef Mullah Omar habe Mansur Dadullah entlassen, weil er Befehle missachtet habe. Mansur Dadullah hatte die Entlassung zurückgewiesen und über einen Sprecher erklären lassen, er pflege weiterhin guten Kontakt zu Mullah Omar.

Mansur Dadullahs Name war auch im Zusammenhang mit der umstrittenen Ausweisung zweier westlicher Diplomaten aus Kabul Ende Dezember gefallen. Waheed Muzhda, ein früherer Beamter des Außenministeriums unter dem Taliban-Regime, hatte gesagt, nach seinen Informationen hätten sich die Diplomaten mit Taliban-Kommandeuren getroffen, darunter auch dem kurz danach entlassenen Mansur Dadullah. Die afghanische Regierung hatte den Diplomaten vorgeworfen, die nationale Sicherheit des Landes zu bedrohen.

Im März vergangenen Jahres war Mansur Dadullah von seinem Bruder aus afghanischer Haft freigepresst worden. Die Regierung ließ ihn und weitere Taliban-Anführer im Austausch gegen den von den Rebellen entführten italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo frei. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hatte es am Montag zunächst geheißen, Mansur Dadullah sei in Belutschistans Hauptstadt Quetta gefasst worden. Er sei festgenommen worden, weil ihn Mullah Omar nicht mehr benötige. Nach Überzeugung des afghanischen Geheimdienstes NDS sitzt in Quetta der Führungsrat der Taliban. dpa

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