Politik : Früherer US-Vizepräsident gibt im Kandidatenrennen auf

Robert von Rimscha

Das Feld der republikanischen Kandidaten für die Nachfolge Bill Clintons lichtet sich weiter. Als vierter Aspirant wollte der ehemalige Vizepräsident Dan Quayle noch am Montagabend offiziell verkünden, dass er seine Bewerbung um die Nominierung als Kandidat der Republikaner zurückzieht. Er folgt damit Senator Bob Smith, der aus der Partei austrat, Ex-Gouverneur Lamar Alexander und dem Abgeordneten John Kasich, der inzwischen Gouverneur George W. Bush unterstützt. Bushs Rekordergebnisse beim Spenden sammeln sind der Hauptgrund für Quayles Aufgeben. Wie aus seinem Umfeld verlautete, gelang es dem Kandidaten nicht mehr, vor potenziellen Spendern als Aspirant mit Siegeschancen aufzutreten.

Quayle hatte vor allem bei der inoffiziellen Probeabstimmung am 14. August im Städtchen Ames im US-Bundesstaat Iowa schlecht abgeschnitten. Von knapp 24 000 republikanischen Anhängern, die an dem "Straw Poll" teilnahmen, hatten sich nur 916 oder vier Prozent für Quayle entschieden. Unter den neun angetretenen Bewerbern war er damit auf Rang acht gelandet.

Quayle hatte daraufhin seine Wahlkampfstrategie neu ausgerichtet und sich ganz auf den Bundesstaat New Hampshire konzentriert, wo nach dem "Caucus" in Iowa Ende Januar 2000 die erste "Primary" Anfang Februar stattfindet. Die US-Vorwahlen setzen sich aus zwei Typen von Abstimmungen zusammen, dem "Caucus", einer geschlossenen Abstimmung unter Parteifunktionären, und der "Primary", bei der alle Parteianhänger wählen können. Quayle lag letzten Umfragen zufolge in New Hampshire auf Rang zwei, hinter George W. Bush. Er hatte allerdings 44 Prozentpunkte Rückstand auf den Spitzenreiter. Bereits unmittelbar nach der Probeabstimmung in Ames hatte Quayle angekündigt, er könne finanziell längstens bis New Hampshire durchhalten.

Quayle wollte seinen Rückzug um 20 Uhr MESZ bekannt geben. Der ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus und Senator seines Heimatstaates Indiana war unter Präsident Bush sr. Vizepräsident. Im bisherigen Wahlkampf versuchte er sich als der Kandidat zu profilieren, der Erfahrung besonders in außenpolitischen Fragen hat. Sein Image als Witzfigur, die "Kartoffel" falsch buchstabiert und durch rätselhafte Formulierungen auffällt ("Ich habe nie in diesem Jahrhundert gelebt"), hatte er größtenteils überwunden. Da auch Quayles Noch-Parteifreund Pat Buchanan erwägt, die Republikaner zu verlassen, sind nun viele rechtskonservative Wähler heimatlos. Der Verleger Steve Forbes, der bereits viele Quayle-Manager eingekauft hat, hofft auf die Wertkonservativen; Senator John McCain will die aktiven Internationalisten für sich gewinnen.

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