Politik : Früherer Vizepräsident vor Gericht

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Johannesburg - Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Johannesburg der Prozess wegen Vergewaltigung gegen den früheren südafrikanische Vizepräsidenten Jacob Zuma begonnen. Der 63-jährige Politiker wird beschuldigt, im November vergangenen Jahres in seinem Haus in Johannesburg eine 31-jährige Frau aus einer befreundeten Familie vergewaltigt zu haben.

Zuma galt in Südafrika lange Zeit als Hoffnungsträger all derer, die von seiner schwarzen Regierung eine schnelle Verbesserung der Lebensumstände erwarteten. Doch inzwischen ist der im letzten Jahr aus seinem Amt als Vizepräsident entlassene Jacob Zuma für den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zu einer schweren Hypothek geworden. Nachdem der 63-Jährige bereits wegen Korruption in einem Waffengeschäft offiziell angeklagt worden ist, kämpft Zuma nun gegen den Vorwurf der Vergewaltigung. Beide Anklagepunkte werden von Zuma heftig bestritten.

Im Gegensatz zu dem intellektuellen und wenig volksnahen Staatschef Mbeki gilt Zuma als zugänglich, unkompliziert und herzlich. Im ANC ist er vor allem unter den ländlichen Schwarzen, aber auch in der Jugendliga weithin beliebt. Dass Zuma zum Kristallisationspunkt der Unzufriedenen im ANC wurde, liegt insbesondere daran, dass die Partei unter Mbeki stark zentralistisch geführt wird und Entscheidungen im kleinen Kreis fallen. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat dieses Unbehagen im letzten Jahr klar artikuliert: „Eine unkritische, servile und linientreue Partei wie der ANC ist Gift für eine lebendige Demokratie“, sagte Tutu. Seit der Vergewaltigungsanklage ist das Zuma-Lager im ANC jedoch merklich stiller geworden. Den Korruptionsvorwurf hätten ihm seine Anhänger verziehen. Doch die ihm nun zur Last gelegte Vergewaltigung hat viele seiner Fürsprecher desavouiert. Der nun angelaufene Prozess dürfte allen politischen Ambitionen ein Ende bereiten. wdr/dpa

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