Politik : Frust der Afghanen wird größer

Kabul - Sechs Jahre nach dem Sturz der Taliban vergrößert sich die Kluft zwischen den umkämpften Provinzen im Süden und Osten und dem nordostafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr. Landesweit rechnen 51 Prozent der Afghanen damit, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden, wie eine am Montag veröffentlichte repräsentative Umfrage von WDR/ARD, dem US-Sender ABC und der britischen BBC ergab. Im nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kundus glauben sogar zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) daran. In der südafghanischen Unruheprovinz Kandahar, wo neben den USA vor allem kanadische Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf gegen die wiedererstarkten Taliban kämpfen, teilen diese Hoffnung dagegen nur 18 Prozent.

Die Zustimmung zu Anschlägen gegen ausländische Truppen hat fast überall in Afghanistan zugenommen. Im Süden stößt Gewalt gegen US-Truppen bei inzwischen 27 Prozent der Befragten auf Zustimmung, 20 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Während im Nordosten im vergangenen Jahr einer von hundert Befragten Sympathie für Gewalt gegen die Isaf zeigte, sind es nun 18 Prozent.

Vergleichszahlen in der Studie zeigen, dass die Stimmung in Afghanistan immer noch deutlich besser als im Irak ist. So glauben im Irak nur 33 Prozent der Befragten, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft erwartet. Während landesweit 67 Prozent der Afghanen die Sicherheitslage in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft als gut einschätzen, sind es im Irak nur 43 Prozent. In Afghanistan meinen 54 Prozent der Befragten, das Land bewege sich in die richtige Richtung. Allerdings sind das 23 Prozentpunkte weniger als bei einer ähnlichen Befragung vor zwei Jahren. Von denjenigen, die meinen, das Land gehe in die falsche Richtung, nennen mehr als die Hälfte die schlechte wirtschaftliche Lage als Grund, gefolgt von der schlechten Sicherheitslage (33 Prozent).

Mit fast 100 Fragen an 1377 Männer und Frauen war die Umfrage die umfangreichste und differenzierteste Untersuchung seit dem Sturz der Taliban. dpa

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