Politik : Führende Rebellen bei Grosny getötet Russland unterstellt

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Moskau. Russische Spezialeinheiten haben eine Gruppe tschetschenischer Freischärler liquidiert. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Hauptstadt Grosny zurückerobern wollen. Das gehe aus Plänen hervor, die Moskau bei den Rebellen beschlagnahmt hat. Dabei hätte es sich um den Stab Maschadows, des 1997 gewählten Präsidenten Tschetscheniens, und dessen engste Umgebung gehandelt, sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow der Nachrichtenagentur Interfax. Nach Iwanows Informationen sollten rund 1000 Freischärler an der Aktion teilnehmen.

Schon im Juli 1996, als Moskau den ersten Tschetschenienkrieg längst für gewonnen hielt, hatten die Rebellen Grosny bei einem Überraschungsangriff zurückerobert und Moskau so zu Friedensverhandlungen gezwungen, die mit einer De-Facto-Souveränität Tschetscheniens endeten. Neue Verhandlungen schloss Iwanow aus: Mit dem „Bürger Maschadow“ werde nach dessen Kapitulation lediglich der Staatsanwalt verhandeln. Der Radiosender Echo Moskwy zitierte aus einem Brief Maschadows an den bevorstehenden Gipfel der G-8-Gruppe. Er schlug vor, am 15. Juli alle Kampfhandlungen einzustellen und die im Herbst ergebnislos abgebrochenen Gespräche mit Putins Generalgouverneur für den russischen Süden, Viktor Kasanzew, wieder aufzunehmen.

Schon am Montag versprach Putin für das kommende Jahr ein Ende der Strafexpeditionen in Tschetschenien, die von Menschenrechtlern als Säuberungen bezeichnet werden. Erstmals sprach Putin von einer „Tragödie“, für die nicht die Tschetschenen verantwortlich seien. Schuld sei vielmehr die russische Zentralregierung, die zu lange versäumt habe, die Interessen der Bevölkerung zu verteidigen. Davon hätten Extremisten profitiert. Einen Termin für Wahlen von Parlament und Präsident nannte Putin nicht.

Beobachter erwarten, dass der Kreml erneut versuchen wird, Tschetschenien mit der benachbarten Teilrepublik Inguschetien zu vereinigen, wie es bis 1991 gewesen war. Zu Sowjetzeiten gehörten die beiden eng verwandten Völker zu einer so genannten autonomen Sowjetrepublik. Elke Windisch

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